Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel - Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin
Hanna Labentz ist aus Weißrussland nach Deutschland gekommen. Seit 2011 arbeitet die Pädagogin im Extra Team Kita in Hamburg. Mit Tessa Dittmer sprach sie über ihre eigene Geschichte und ihren beruflichen Neuanfang.

Extra Update Kita: Frau Labentz, Sie kommen ursprünglich aus Weißrussland.
Hanna Labentz: Das ist richtig. Ich bin in Minsk aufgewachsen und habe dort auch meine Ausbildung absolviert.

Was für eine Ausbildung haben Sie denn gemacht?
Ich habe Pädagogik und Psychologie studiert.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?
Mein Mann stammt aus Greifswald. Ich habe ihn in Minsk kennengelernt. Er war öfter in Weißrussland, um Gartenhäuser zu verkaufen. Wir haben uns gesehen und – es war Liebe auf den ersten Blick. Als wir uns 1999 zum ersten Mal sahen, arbeitete ich in Minsk im Kindergarten. Ich war dort sehr glücklich und habe mich sehr wohl gefühlt. Dennoch bin ich dann im Jahr 2000 zu meinem Mann nach Deutschland gezogen.

Es war sicherlich nicht leicht für Sie, Ihre Heimat zu verlassen… .
Ich habe Minsk mit Tränen in den Augen verlassen. Ich musste meine Freunde, meine Mutter und vor allem meine beiden schon erwachsenen Kinder aus erster Ehe zurücklassen. Meine Mutter hat sich damals wunderbar um uns gekümmert.

Worauf haben Sie sich in Deutschland zuerst konzentriert?
In Deutschland habe ich gleich versucht, Arbeit zu finden. Ich war mein ganzes Leben lang berufstätig und empfinde Arbeit als eines der wichtigsten Dinge im Leben. Zunächst habe ich als Tagesmutter in Privathaushalten gearbeitet und mehrere Kinder aufwachsen gesehen. Mein erstes Kind habe ich in Groß Borstel betreut. Es war damals anderthalb Jahre alt – und ist jetzt schon über zwölf! Ich habe auch diverse Kurse besucht und dabei viel gelernt wie zum Beispiel im Kurs „erste Hilfe am Kind“. Nebenbei habe ich auch deutsche Gesetze studiert und natürlich mein Deutsch verbessert.

…was Ihnen auch beeindruckend gut gelungen ist. Haben Sie schon in Minsk angefangen, deutsch zu lernen?
Bereits in der Schule habe ich Deutsch gelernt, dann während des Pädagogik- und  des Psychologiestudiums. Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte ich schon lange kein Deutsch mehr gesprochen. Während ich ihn dann sprechen hörte, dache ich erst „Mein Gott, das ist ja deutsch!“. Nachdem mein Mann wieder nach Deutschland ging, nutzte ich die verbleibenden drei Monate, um an der Minsker Universität mein Deutsch aufzufrischen. Später in Deutschland brauchte ich dann keinen Deutschkurs mehr. Und mit meinem Mann habe ich dann ja auch nur noch deutsch gesprochen.

Angefangen haben Sie als Tagesmutter und arbeiten jetzt als Erzieherin in der Kita. Wie kam es dazu?
Irgendwann wollte ich nicht mehr alleine arbeiten. Ich liebe es – wie sagt man? – im Kollektiv zu arbeiten. Ich brauche Menschen um mich herum, mit denen ich mich regelmäßig austauschen kann – und viele Kinder. Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben, hatte aber leider lange Zeit keinen Erfolg. Dann habe ich das Extra Team Kita kennengelernt. Dort hat man an mich geglaubt und mir gesagt, einen passenden Einsatz für mich als Erzieherin finden zu können. Ich bin so glücklich gewesen und habe Thomas, meinem Mann, gleich gesagt, was für eine nette Person ich im Extra Team Kita kennengelernt hatte. Das waren Sie, Frau Dittmer! Ich war sehr glücklich, als Sie mir einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Erzieherin angeboten haben.

Wie fühlen Sie sich in Deutschland?
Ich habe mein Glück in Deutschland gefunden – meine Liebe, meinen Mann, mit dem ich in Groß Borstel lebe und einen Job als Erzieherin! Es bedeutet mir sehr viel, wieder als Erzieherin arbeiten zu können. Wenn ich jetzt in den Hort komme, rufen die Kinder schon von weitem „Hanna! Hanna ist wieder da!“. Ich liebe Kinder und bin so glücklich, dass ich mich wieder um eine ganze „Horde“ kümmern kann. Immer wenn es ein Kind gibt, das mich braucht, bin ich glücklich. Ich möchte viel Liebe geben und einfach für die Kinder da sein.

Was unternehmen Sie mit den Kindern?
Gestern habe ich zusammen mit meinen beiden männlichen Kollegen mit den Kindern gebastelt, mit Farbe gespritzt und alles schön bunt gemacht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Eltern?
Das Basteln gestern hat den Eltern zum Beispiel sehr gut gefallen. Sie sagen oft  „Oh, Hanna, es ist gut, dass Du da bist“. Gerade betreue ich etwas weniger Kinder, aber ich musste mich auch schon mal um 25 Kinder kümmern. Da hat man kaum Zeit, auf jedes Kind individuell einzugehen. Aber jetzt kann ich mich um jedes Kind persönlich kümmern.

Wie kommen Sie mit schwierigen Kindern zurecht?
Mein Motto ist: schlechte Kinder gibt es nicht. Wenn mit dem Kind etwas nicht so gut läuft, dann liegt das meistens an der Erziehung. Natürlich hilft es auch, dass man sich im Extra Team Kita immer bemüht, die richtige Einrichtung für mich zu finden.

Das stimmt. Wir prüfen immer genau, wo wir welchen Mitarbeiter einsetzen und nehmen uns die Zeit, unsere Mitarbeiter gut kennenzulernen, auch wenn uns das anfangs viel Zeit kostet. Letzten Endes hat keiner was davon, wenn Mitarbeiter und Einrichtung nicht zusammen passen.

Wie empfinden Sie diese Planungsarbeit als Betroffene?
Die erste Einrichtung, die ich kennengelernt hatte, war super. Ich habe mich mit dem Leiter sehr gut verstanden. Als ich dort meinen letzten Tag hatte, haben mir alle Kinder zusammen ein selbst gebasteltes Buch geschenkt und alle haben sich persönlich bei mir bedankt. Ich habe vor Freude geheult wie ein Wasserfall.

Kümmern Sie sich in Ihrer Freizeit auch um Kinder?
Alle Kinder aus meiner Nachbarschaft kommen regelmäßig zu uns. Mein Mann hat ein Spielschiff mit Deutscher Flagge gebaut, mit dem die Kinder jetzt sehr viel Spaß haben. Außerdem haben wir ein Gartenhaus, in dem wir mit den Nachbarskindern regelmäßig Kuchen essen, den ich natürlich selber backe.

Haben Sie sich in Deutschland gut eingelebt?
Mein Mann und ich gehen oft auf Partys in Groß Borstel. Auch zu den Familien, bei denen ich zu Anfang als Tagesmutter gearbeitet habe, habe ich immer noch Kontakt. Außerdem gebe ich Russischunterricht. Marie zum Beispiel ist schon länger bei mir und versteht inzwischen richtig gut Russisch.

Wie sind Sie auf das Extra Team Kita aufmerksam geworden?
Ich habe auf eine Stellenanzeige reagiert. Bei der Gestaltung der Bewerbungsmappe hat mir dann mein Mann geholfen. Darauf haben Sie mich angerufen und ich bin zum Vorstellungsgespräch gekommen. Ich habe gleich einen Vertrag bekommen.

Frau Labentz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Hanna Labentz

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