„Meine Arbeit hat jetzt eine neue Qualität“

Extra Team Kita - Isa Timmermann

Sie ist Erzieherin und gehört zu den erfahrensten Kolleginnen unseres Teams am Standort Hamburg. Mehr als 30 Jahre war Isa Timmermann als Mitarbeiterin und Einrichtungsleitung in Kitas tätig. Heute genießt sie im Extra Team Kita ihre neue berufliche Selbstbestimmung.

„Meine Arbeit hat jetzt eine neue Qualität“, erklärt sie im Gespräch mit Tessa Dittmer, denn viel stärker als in ihren früheren Funktionen kann sie bei Extra selbst entscheiden, wo, wann und wieviel sie arbeiten möchte. Auch die Abwechslung, das Herumkommen in verschiedenen Einrichtungen, empfindet sie als Bereicherung. Doch ganz gleich, in welcher Einrichtung man Isa Timmermann gerade trifft: am wichtigsten ist und bleibt es ihr, sich für eine freie Entwicklung der Kinder einsetzen zu können.

Tessa Dittmer: Frau Timmermann, als Sie Anfang der 1980er Jahre als frisch ausgebildete Erzieherin ins Berufsleben starten wollten, sah der Arbeitsmarkt noch anders aus als heute. Wie ist Ihr Einstieg damals geglückt?

Isa Timmermann: Einen Job zu finden, war damals wirklich nicht selbstverständlich. Eigentlich habe ich als Tagesmutter angefangen. Das war alles etwas improvisiert. Einige Eltern schlossen sich zusammen und mieteten eine Wohnung an, um dort ihre Kinder gemeinsam betreuen zu lassen. Diese Betreuung habe ich dann übernommen. Daraus wurde ganz schnell eine richtige kleine Kita. Ein wohlhabender Vater unterstützte uns, sowohl finanziell als auch bei der Verwaltung. So hatten wir keine Geldsorgen und mussten uns kaum um Bürokratie kümmern.

Wir konnten Ausflüge mit den Kindern machen, ja sogar reisen. Das war paradiesisch, aber eben nicht auf Dauer angelegt. Deshalb wechselte ich danach zu einer Krippe, die als Elterninitiative geführt wurde. Und da gehörte dann zum Beispiel auch die Buchhaltung dazu, die wir nach Feierabend in den Gruppenräumen machten.

Ihr nächster Schritt brachte dann noch mehr Verantwortung mit sich.

Ich wollte damals schon länger gerne mal aus der Krippe raus und bekam die Chance, zusammen mit einer griechischen Kollegin eine Kita aufzubauen und schließlich über 15 Jahr lang gemeinsam zu leiten. Das war eine interessante und erfüllende Zeit. Unsere Einrichtung stand unter der Trägerschaft einer Erzieherinitiative. Wir teilten uns die Arbeit gut auf. Inhaltlich lag der Schwerpunkt im Elementarbereich, Nachmittags betreuten wir zeitweise auch Schulkinder.

Allerdings änderte sich vieles über die Jahre. So waren die Einführung der Kita-Card vor rund 12 Jahren und von Qualitätsstandards entscheidende Punkte. Mir schien das damals so, als ob das Drumherum plötzlich viel zu viel Raum einnahm. Ich hatte den Eindruck, dass die Kinder nicht mehr an erster Stelle stehen, obwohl natürlich genau das behauptet wurde. Das widersprach meinem Verständnis von der Arbeit. Ich bin aus diesen Gründen dann erst einmal ausgestiegen und überlegte zwischendrin auch einmal, in der Betreuung von Senioren tätig zu werden. Aber dann wurde mir das Extra Team Kita empfohlen.

Sie sind ja nun auch schon eine ganze Weile bei uns. Wie unterscheidet sich Ihre heutige berufliche Tätigkeit von Ihrem früheren Arbeitsalltag?

Mir gefällt es heute, nicht mehr die Verantwortung für eine ganze Kita tragen zu müssen. Außerdem bin ich weniger verpflichtet, Berichte zu schreiben oder Fördermittel zu beantragen. Diese ganze Arbeit mit Formularen und Stempeln muss mich nicht mehr sorgen. So kann ich mich auf meine eigentliche Aufgabe, auf die Förderung der Kinder, konzentrieren. Dass ich daneben noch viel herumkomme und damit sehr viele Einrichtungen und verschiedene Denkweisen kennenlerne, liegt mir. Ich fühle mich wohl. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mit etwas mehr Abstand auf die jeweilige Situation in der Kita schaue. Auf jeden Fall habe ich nicht mehr dieses belastende Gefühl wie früher, dass ich sehr viel der Verantwortung übernehmen muss, die eigentlich bei den Eltern liegt. Für mich persönlich heißt das, mehr Lebenszeit zu haben.

Ist es nicht auch schwierig, zu Kindern einen Kontakt aufzubauen, wenn man regelmäßig in anderen Einrichtungen ist?

Zunächst einmal bin ich ja nicht immer ganz neu. Ich bin schon immer wieder in den gleichen Einrichtungen. Wenn ich aber wirklich in eine für mich ganz neue Einrichtung komme, bin ich eher zurückhaltend. Die Kinder kommen dann immer schnell selbst auf mich zu. Da gelingt es rasch, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen.

Diese Zurückhaltung ist aber keine Passivität?

Nein, im Gegenteil. Sich zurückzunehmen ist die Grundlage dafür, die Bedürfnisse der Kinder erkennen zu können. Wissen Sie, sinnliche Erfahrungen sind eben wichtig. Wir sind immer so verkopft. Man sollte mit den Kindern gemeinsam den Lebensalltag gestalten. Als Erzieher dürfen wir nicht in Schubladen denken, sondern schauen, was das einzelne Kind braucht.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Kürzlich hat sich ein Anderthalbjähriger in einer Einrichtung einen Weidenkorb geschnappt und sich hineingesetzt. Er war richtig stolz darauf. Eine Erzieherin nahm ihm den Korb dann aber weg und erklärte ihm, dass andere Dinge in den Korb gehören. Das war keine gute Reaktion. Oder noch ein Beispiel: ‚Drück nicht den Lichtschalter‘ ist ein falsches Verbot. Kinder müssen auch das ausprobieren können, selbst wenn sie hundertmal hintereinander das Licht an und ausknipsen.

Solche Situationen gibt es viele in der Kita. Wie gelingt es auch in turbulenten Phasen angemessen zu reagieren?

Mir fällt es inzwischen leicht, diese Situationen zu erkennen. Und ich glaube, dass ich selbst heute mehr Achtung vor den Kindern habe als früher. Weniger erfahrenen Kolleginnen würde ich empfehlen, zu versuchen, die Kinder in ihren Freiräumen zu unterstützen und ihnen die Möglichkeiten zu schaffen, die sie brauchen. Kinder sind heute oft so traurig. Ich glaube, das liegt daran, dass sie zu oft wie kleine Erwachsene behandelt werden. Das heißt aber nicht, dass es keine Grenzen gibt.

Gibt es heute ausreichend Berufserfahrung in den Kitas?

Die Arbeitsbedingungen in Kitas sind ja oft nicht optimal. Immer wieder fehlt es an recht einfachen Dingen, wie zum Beispiel einem Pausenraum. Deshalb herrscht regelmäßig Unzufriedenheit unter den Erziehern, die zu Konflikten führt. Manchmal dauert es Jahre, bis ein Team zusammenfindet. Supervision kann da übrigens eine Hilfe sein.

Es geht also um mehr als die Berufserfahrung. Wenn die Beschäftigten um ihre Arbeitsbedingungen ringen, dann geht das auf Kosten der Kinder.

Aber natürlich sind Erfahrung und Ausbildung wichtig. Ich habe dieses Jahr im Sommer die Situation miterlebt, als eine Praktikantin im Sandkasten ein Kind spielerisch ganz leicht in den Sand einbuddelte. Natürlich war das nicht böse gemeint, aber das Kind fing plötzlich bitterlich an zu weinen. Ich habe dann schnell darauf hingewirkt, die Situation zu beenden. Das Beispiel hat mir wieder einmal bewußt gemacht, welche Situationen entstehen können, wenn zu wenige erfahrene Beschäftigte in einer Einrichtung zur Verfügung stehen.

Was wünschen Sie sich für den Kita-Alltag?

Wir brauchen in Kitas genügend Personal, aber auch das Selbstverständnis der Erzieher, dass wir die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen.

Dazu gehört ein Umfeld, das Kreativität fördert. Steine, Bilder, Decken, Tücher, Sand und
Wasser statt perfektem Spielzeug! Spielsachen sollten möglichst offen verfügbar sein. Die Perfektion im Aufräumen ist aus pädagogischer Sicht nicht optimal. Die Kinder haben ein eigenes Verständnis von Ordnung.

Vielen Dank für das Gespräch Frau Timmermann.

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Isa Timmermann

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„Meine Arbeit hat jetzt eine neue Qualität“

„In der Kita habe ich meine berufliche Heimat gefunden.“

Extra Team Kita - Sabine Kaestner

Sabine Kästner ist eine „Ehemalige“. Ganz häufig bleiben wir bei Extra auch mit Menschen verbunden, wenn sie den Arbeitgeber gewechselt haben. So wächst die „Familie“ und wir freuen uns, immer wieder interessante Lebensgeschichten begleiten zu dürfen. Mit Sabine Kästner sprachen wir über ihren beruflichen Neustart in der bunten Arbeitswelt der Kita.

Extra Update Kita: Frau Kästner, wir wissen, dass Sie heute in der Kita ihren Wunscharbeitsplatz gefunden haben und sind natürlich etwas stolz darauf, dass wir Ihnen helfen konnten. Aber Ihr Weg hierhin war nicht ganz gerade, oder?

Sabine Kästner: Nein, wirklich nicht. Ursprünglich bin ich ja gelernte Werkzeugmacherin. Direkt nach der Schule, damals noch in der DDR, hatte man mir diese Ausbildung angeboten. Damals wusste ich noch nicht so richtig, was ich wollte. Einige Jahre habe ich in dem Beruf aber gearbeitet, zuletzt sogar in der Qualitätskontrolle. Ergänzend habe ich dann berufsbegleitend eine zweite Ausbildung begonnen. Ich wollte Facharbeiter für Schreibtechnik werden, so nannte man das damals. Vollenden konnte ich das aber nicht mehr. Da kam die Wende dazwischen.

War die Wende für Sie persönlich auch ein beruflicher Umbruch?

Ich ging zunächst nach Berlin, arbeitete als Bäckereiverkäuferin und versuchte mit einer Qualifizierung zur Bürofachkraft mein Ziel weiter zu verfolgen. Das hat auch geklappt und ich konnte in ein Baubüro wechseln. Sicher, das war nicht uninteressant. Aber ich habe doch gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist. Also bin ich wieder in den Handel zurück. Diesmal mit dem Ziel der Weiterqualifizierung in dieser mir ja schon bekannten Branche. Das Team stimmte aber nicht, so dass ich mir nach einer Weile überlegte, professionellen Rat zu suchen.

Mit wem haben Sie sich beraten?

Das war der Lernladen im Berliner Prenzlauer Berg. Das hat mir einen richtigen Kick gegeben. In der Auseinandersetzung mit meinen Wünschen, Stärken und Schwächen habe ich gemerkt, dass die Arbeit mit Kindern für mich das Richtige sein könnte. Ich habe mich dann bei ganz vielen Unternehmen beworben. Aber nur vom Extra Team Kita habe ich eine Antwort erhalten.

Das Problem war sicher die formelle Qualifikation.

Ja, richtig. Ich hatte ja noch keine Ausbildung als Erzieherin. Aber im Extra Team Kita bekam ich die Chance, sofort auch ohne formelle Qualifikation zu beginnen. Ich erinnere mich noch daran, wie ich Vormittags im Extra-Büro meinen Arbeitsvertrag unterzeichnet habe und dann gleich mit dem Zug in die Krippe gefahren bin. Das war ein toller Einstieg. Aber natürlich wollte ich eine pädagogische Ausbildung nachholen.

Wie haben Sie Ihr Ziel einer Ausbildung als Erzieherin anpacken können?

Zunächst war ich erfolglos. Ich informierte mich zwar bei einer ersten Schule, die lehnte aber ab. Ich habe dann einfach einmal weiter gearbeitet und mich parallel anderweitig bei Schulen beworben. Möglich wurde die Ausbildung dann durch die Zusammenarbeit zwischen Extra und dem Träger einer Einrichtung. Ich bin für den Praxisteil direkt dorthin gewechselt und habe meinen Schulplatz organisiert.

Im Februar 2015 geht’s los mit meiner Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin. Die Ausbildung wird drei Jahre dauern, zweimal die Woche bin ich für 8 Stunden in der Schule. Das wird nicht ohne.

Wir drücken die Daumen, dass das gut klappt. Wie sehen Sie auf Ihre Zeit im Extra Team Kita zurück? Das waren immerhin zwei Jahre.

Bei Extra konnte ich ganz schnell und ohne lange Wartezeiten einsteigen. Da konnte ich mich beweisen. Ohne diese Chance hätte ich wohl kaum meinen Einstieg in die Kita finden können. Auch die Einrichtung, bei der ich jetzt die Ausbildung beginne, stellt eigentlich grundsätzlich nur Personen mit Berufserfahrung ein. Die Begleitung von Extra war deshalb wichtig. Inzwischen ist mir klar geworden, dass mein Weg eine Ausnahme ist. Nur durch die enge Zusammenarbeit zwischen Extra und einer engagierten Kita-Leitung hat das so klappen können.

Sehr hilfreich waren übrigens die Fortbildungen der Extra Akademie. Die Themen „Resilienzfaktoren“ und „Ernährung“ fand ich besonders interessant. Die Inhalte konnte ich immer gleich in den Kita-Alltag einbringen.

Sie haben uns erlaubt, Ihr Alter zu verraten. 2015 werden Sie 50 Jahre alt. War es nicht schwer, sich noch einmal ganz neu zu orientieren?

Natürlich ist das nicht ganz einfach. Aber ich habe das Gefühl, jetzt endlich eine berufliche Heimat gefunden zu haben. Die Kinder geben einem sofort zurück, was man ihnen gibt. Das ist einfach nur schön.

Vielen Dank und alles Gute für Ihre Ausbildung.

Bild: Sabine Kästner

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