HIER BIN ICH. WAS WIRD GEBRAUCHT?

Bild: Claudia Pohl und Sebastian Lazay in Hamburg

Wie ist das eigentlich, als Erzieherin im Extra Team Kita zu arbeiten? „Ganz unterschiedlich“, antwortet Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay auf diese oft gestellte Frage, „denn das hängt davon ab, was für ein Typ man ist.“

Ein solcher ‚echter Typ‘ ist Claudia Pohl. Die Erzieherin und leidenschaftliche Hobby-Musikerin wechselte von 18 Monaten zu Extra und traf sich kürzlich zum Feedback-Gespräch in Hamburg. Ihre Ukulele hatte sie auch dabei.

Sebastian Lazay: Frau Pohl, wir kennen uns nun schon eine Weile und ich weiss, dass Sie ganz begeistert Ihren neuen Job bei uns angefangen haben. Inzwischen ist einige Zeit vergangen und mich interessiert, wie es Ihnen bis jetzt ergangen ist.

Claudia Pohl: In den letzten anderthalb Jahren war ich in ungefähr 10 Einrichtungen. Es könnten noch mehr sein, dagegen hätte ich gar nichts. Leider muss ich aber regelmäßig erklären, dass ich sich die Einrichtungen rechtzeitig melden müssen, wenn sie mich brauchen, weil ich sonst schon anderweitig verplant bin.

Das heißt, Sie sind heiß umworben?

Na, dass die Einrichtungen mich immer wieder namentlich anfragen, ist schon ein cooles Gefühl. Ich empfinde das als sehr wertschätzend.

Haben sich damit Ihre beruflichen Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall. Inzwischen ist es mehr so, dass ich erklären muss, gar nicht so lange am Stück in einer Einrichtung bleiben zu wollen, denn dann kann ich mich nicht mehr distanzieren. Und das war einer der Hauptgründe dafür, zu Extra zu kommen. Davor war ich 5 Jahre lang Nanny und wiederum davor 4 Jahre als Erzieherin in zwei Kindergärten tätig gewesen. Das bedeutete damals natürlich auch Verwaltungsarbeiten wie das Schreiben von Dienstplänen, was mir überhaupt nicht lag. Außerdem habe ich mich vielen Befindlichkeiten und Problemen im Team angenommen. Ich bin da in Baustellen reingelaufen, die nicht meine eigenen waren. Bei Extra habe ich dann gehofft, etwas mehr Distanz zu finden – eben auch einmal sagen zu können: ‚Nicht mein Zirkus – nicht meine Affen‘. Genau diese Hoffnung hat sich wirklich erfüllt. Wenn ich heute in schwierige Teams komme, kann ich mich entspannen. Es geht um die Arbeit mit den Kindern. Die Klärung der Teamkonstellation muss ich nicht übernehmen. Das ist ehrlich befreiend.

Wenn Sie größere Distanz einerseits als Vorteil empfinden, vermissen Sie dann auf der anderen Seite nicht die Einbindung in ein festes Team?

Also erstens bin ich Teil des Teams bei Extra und so durchaus nicht alleine. Auf der Einrichtungsebene ist das komplexer. Denn je länger man in einer Einrichtung ist, desto eher holt einen die Rolle des festen Teammitglieds dann eben doch wieder ein. Natürlich kann diese Teamzugehörigkeit auch mal ganz schön sein, aber so können eben auch Konflikte entstehen. Im Moment überwiegen für mich die Vorteile meiner freieren Rolle.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert, als Sie einen Job bei einem Personaldienstleister angefangen haben?

Ich habe in der Familie schon auch das Vorurteil gehört, dass das nichts Richtiges für mich wäre. Inzwischen habe ich aber alle überzeugt, dass ich jetzt bei einem Unternehmen bin, dass nicht nur die Wünsche des Kunden berücksichtigt, sondern eben auch meine.

Wir geben uns Mühe, unterschiedlichen Typen ein berufliches Zuhause zu bieten…

Klar, etwas verrückt bin ich selbst – mit meinen Eigenarten. Aber haben wir die nicht alle? Ich kenne das Gefühl, in eine neue Kita zu kommen und erst einmal gebremst zu werden – aus Angst, ich würde etwas wegnehmen. In Einrichtungen, die besonders dringend jemanden brauchen, läuft das meistens besser. Denn das kann ich: ich übernehme spontan den Morgenkreis oder biete an, mit der Gruppe rauszugehen. Konkrete Vorschläge zur Unterstützung werden dann dankbar angenommen.

Wie ist das, wenn Sie in eine für Sie neue Einrichtung kommen?

Was ich immer dabei habe sind meine Ukulele, ein Teebecher und meine Regenhose. Das ist meine Grundausstattung. So bin ich sofort einsatzbereit. Und kaum da, bin ich dann wirklich ganz schnell mit den Kindern draußen und fühle mich manchmal wie Mary Poppins. Ich bin da und frage, was gewünscht ist. Los geht’s!

Bei dieser Art von Arbeit habe ich zum ersten Mal das Gefühl, so zu arbeiten, wie es zu mir passt. Die immer wieder neuen Situationen in verschiedenen Kitas liegen mir, denn ich bin ein spontaner Mensch und habe genug Ideen in meinem Schatzkästchen, um mich auf schwierige Situationen einzustellen. Ich schalte da sozusagen auf ‚Autopilot‘. Durch meine Berufserfahrung fällt mir es recht leicht, mich an die jeweiligen Anforderungen anzupassen. Zur Not bin ich auch in der Lage, Führung zu übernehmen, aber diese ‚Boss-Hosen‘ ziehe ich nur an, wenn es das Kind oder die Situation erfordern.

Sie haben ja schon die Abwechslung oder Freiheit in Ihrem Job betont. Fällt es Ihnen nicht manchmal auch schwer, eine Einrichtung verlassen zu müssen?

Am letzten Tag in einer Kita bin ich in der Regel fürchterlich traurig und es ist wirklich schwer, sich zu verabschieden. Doch am nächsten Montag in einer neuen Einrichtung nehme ich mich dort sofort den Kindern so an, als würde ich dauerhaft bleiben. Insofern fällt mir der Wechsel dann doch leicht. Von der ersten Minute an sind das ‚meine Kinder‘. Ich behandle sie auch so, als würde ich sie schon seit ein, zwei Jahren kennen. Da ist mein Herz groß genug! Und meistens dauert es kaum einen halben Tag bis die Kinder an mir, diesem für sie neuen und bunten Vogel, geradezu kleben.

Wenn wir noch einmal an das Zusammenspiel zwischen Ihnen und den Stammbeschäftigten in den Kitas denken: wie läuft das in der Praxis?

Wenn eine Einrichtung entscheidet, ein offene Stelle vorübergehend mit mir oder einer meiner Kolleginnen zu besetzen, dann ist das deren Entscheidung. Ich gehe nicht auf Distanz zu den Kindern, nur weil ich vorübergehend da bin. Im Gegenteil: ich ergänze immer die Arbeit der Stammerzieher. Damit unterstütze ich mit meiner Arbeit auch, dass Kinder und Bezugserzieher die nötige Zeit zusammen haben. Manchmal springe ich aber auch genau deshalb ein, um eine Kollegin vor Ort zu entlasten, der ihr Job gerade etwas zu viel wird. Da halte ich ihr dann den Rücken frei. Die Zusammenarbeit ist also situativ unterschiedlich.

In der Beschreibung Ihrer Grundausstattung haben Sie Ihre Ukulele erwähnt. Was hat es damit auf sich?

Also eigentlich bin ich ja Musikerin. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich nur 20 Stunden in der Kita arbeiten und ansonsten ausschließlich Musik machen. In der Erzieherausbildung habe ich Gitarre gelernt, dann aber in der Praxis gemerkt, dass meine kleine Ukulele viel handlicher für den Alltag ist. Im Morgenkreis und manchmal auch Nachmittags nutze ich sie für Singspiele oder Quatsch-Lieder. Das ist toll! Die Kinder schlagen da mit Bauklötzen im Takt. Die Ukulele wirkt in der Kita wie ein Magnet. Ich muss nur das Instrument herausholen und schon setzen sich alle Kindern im Kreis vor mich.

In meiner Freizeit mache ich unter anderem Countrymusik, schreibe aber auch eigene Sachen – egal ob Ballade, Blues oder Satire. Das ist mein Herzblut. Übrigens ist genau das auch etwas besonders Schönes bei meiner heutigen Arbeit. Ich kann die Leidenschaft für die Musik mit meinem Job vereinbaren. Wenn mein Hobby mal etwas mehr Zeit erfordert, dann kann ich das umsetzen, weil mir Extra diesen Freiraum ermöglicht. Auch dass ich meinen Urlaub sammeln kann und über das Zeitkonto Auszeiten möglich werden – das alles passt in mein Lebensmodell perfekt rein. So wie ich die Kolleginnen in den Einrichtungen unterstütze, habe ich hier eben selbst ein Team, das mir mal den Rücken freihält, wenn ich diese Unterstützung brauche.

Vielen Dank für Ihre Eindrücke und weiterhin viel Erfolg bei allen Ihren Projekten!

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