Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel - Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin
Hanna Labentz ist aus Weißrussland nach Deutschland gekommen. Seit 2011 arbeitet die Pädagogin im Extra Team Kita in Hamburg. Mit Tessa Dittmer sprach sie über ihre eigene Geschichte und ihren beruflichen Neuanfang.

Extra Update Kita: Frau Labentz, Sie kommen ursprünglich aus Weißrussland.
Hanna Labentz: Das ist richtig. Ich bin in Minsk aufgewachsen und habe dort auch meine Ausbildung absolviert.

Was für eine Ausbildung haben Sie denn gemacht?
Ich habe Pädagogik und Psychologie studiert.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?
Mein Mann stammt aus Greifswald. Ich habe ihn in Minsk kennengelernt. Er war öfter in Weißrussland, um Gartenhäuser zu verkaufen. Wir haben uns gesehen und – es war Liebe auf den ersten Blick. Als wir uns 1999 zum ersten Mal sahen, arbeitete ich in Minsk im Kindergarten. Ich war dort sehr glücklich und habe mich sehr wohl gefühlt. Dennoch bin ich dann im Jahr 2000 zu meinem Mann nach Deutschland gezogen.

Es war sicherlich nicht leicht für Sie, Ihre Heimat zu verlassen… .
Ich habe Minsk mit Tränen in den Augen verlassen. Ich musste meine Freunde, meine Mutter und vor allem meine beiden schon erwachsenen Kinder aus erster Ehe zurücklassen. Meine Mutter hat sich damals wunderbar um uns gekümmert.

Worauf haben Sie sich in Deutschland zuerst konzentriert?
In Deutschland habe ich gleich versucht, Arbeit zu finden. Ich war mein ganzes Leben lang berufstätig und empfinde Arbeit als eines der wichtigsten Dinge im Leben. Zunächst habe ich als Tagesmutter in Privathaushalten gearbeitet und mehrere Kinder aufwachsen gesehen. Mein erstes Kind habe ich in Groß Borstel betreut. Es war damals anderthalb Jahre alt – und ist jetzt schon über zwölf! Ich habe auch diverse Kurse besucht und dabei viel gelernt wie zum Beispiel im Kurs „erste Hilfe am Kind“. Nebenbei habe ich auch deutsche Gesetze studiert und natürlich mein Deutsch verbessert.

…was Ihnen auch beeindruckend gut gelungen ist. Haben Sie schon in Minsk angefangen, deutsch zu lernen?
Bereits in der Schule habe ich Deutsch gelernt, dann während des Pädagogik- und  des Psychologiestudiums. Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte ich schon lange kein Deutsch mehr gesprochen. Während ich ihn dann sprechen hörte, dache ich erst „Mein Gott, das ist ja deutsch!“. Nachdem mein Mann wieder nach Deutschland ging, nutzte ich die verbleibenden drei Monate, um an der Minsker Universität mein Deutsch aufzufrischen. Später in Deutschland brauchte ich dann keinen Deutschkurs mehr. Und mit meinem Mann habe ich dann ja auch nur noch deutsch gesprochen.

Angefangen haben Sie als Tagesmutter und arbeiten jetzt als Erzieherin in der Kita. Wie kam es dazu?
Irgendwann wollte ich nicht mehr alleine arbeiten. Ich liebe es – wie sagt man? – im Kollektiv zu arbeiten. Ich brauche Menschen um mich herum, mit denen ich mich regelmäßig austauschen kann – und viele Kinder. Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben, hatte aber leider lange Zeit keinen Erfolg. Dann habe ich das Extra Team Kita kennengelernt. Dort hat man an mich geglaubt und mir gesagt, einen passenden Einsatz für mich als Erzieherin finden zu können. Ich bin so glücklich gewesen und habe Thomas, meinem Mann, gleich gesagt, was für eine nette Person ich im Extra Team Kita kennengelernt hatte. Das waren Sie, Frau Dittmer! Ich war sehr glücklich, als Sie mir einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Erzieherin angeboten haben.

Wie fühlen Sie sich in Deutschland?
Ich habe mein Glück in Deutschland gefunden – meine Liebe, meinen Mann, mit dem ich in Groß Borstel lebe und einen Job als Erzieherin! Es bedeutet mir sehr viel, wieder als Erzieherin arbeiten zu können. Wenn ich jetzt in den Hort komme, rufen die Kinder schon von weitem „Hanna! Hanna ist wieder da!“. Ich liebe Kinder und bin so glücklich, dass ich mich wieder um eine ganze „Horde“ kümmern kann. Immer wenn es ein Kind gibt, das mich braucht, bin ich glücklich. Ich möchte viel Liebe geben und einfach für die Kinder da sein.

Was unternehmen Sie mit den Kindern?
Gestern habe ich zusammen mit meinen beiden männlichen Kollegen mit den Kindern gebastelt, mit Farbe gespritzt und alles schön bunt gemacht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Eltern?
Das Basteln gestern hat den Eltern zum Beispiel sehr gut gefallen. Sie sagen oft  „Oh, Hanna, es ist gut, dass Du da bist“. Gerade betreue ich etwas weniger Kinder, aber ich musste mich auch schon mal um 25 Kinder kümmern. Da hat man kaum Zeit, auf jedes Kind individuell einzugehen. Aber jetzt kann ich mich um jedes Kind persönlich kümmern.

Wie kommen Sie mit schwierigen Kindern zurecht?
Mein Motto ist: schlechte Kinder gibt es nicht. Wenn mit dem Kind etwas nicht so gut läuft, dann liegt das meistens an der Erziehung. Natürlich hilft es auch, dass man sich im Extra Team Kita immer bemüht, die richtige Einrichtung für mich zu finden.

Das stimmt. Wir prüfen immer genau, wo wir welchen Mitarbeiter einsetzen und nehmen uns die Zeit, unsere Mitarbeiter gut kennenzulernen, auch wenn uns das anfangs viel Zeit kostet. Letzten Endes hat keiner was davon, wenn Mitarbeiter und Einrichtung nicht zusammen passen.

Wie empfinden Sie diese Planungsarbeit als Betroffene?
Die erste Einrichtung, die ich kennengelernt hatte, war super. Ich habe mich mit dem Leiter sehr gut verstanden. Als ich dort meinen letzten Tag hatte, haben mir alle Kinder zusammen ein selbst gebasteltes Buch geschenkt und alle haben sich persönlich bei mir bedankt. Ich habe vor Freude geheult wie ein Wasserfall.

Kümmern Sie sich in Ihrer Freizeit auch um Kinder?
Alle Kinder aus meiner Nachbarschaft kommen regelmäßig zu uns. Mein Mann hat ein Spielschiff mit Deutscher Flagge gebaut, mit dem die Kinder jetzt sehr viel Spaß haben. Außerdem haben wir ein Gartenhaus, in dem wir mit den Nachbarskindern regelmäßig Kuchen essen, den ich natürlich selber backe.

Haben Sie sich in Deutschland gut eingelebt?
Mein Mann und ich gehen oft auf Partys in Groß Borstel. Auch zu den Familien, bei denen ich zu Anfang als Tagesmutter gearbeitet habe, habe ich immer noch Kontakt. Außerdem gebe ich Russischunterricht. Marie zum Beispiel ist schon länger bei mir und versteht inzwischen richtig gut Russisch.

Wie sind Sie auf das Extra Team Kita aufmerksam geworden?
Ich habe auf eine Stellenanzeige reagiert. Bei der Gestaltung der Bewerbungsmappe hat mir dann mein Mann geholfen. Darauf haben Sie mich angerufen und ich bin zum Vorstellungsgespräch gekommen. Ich habe gleich einen Vertrag bekommen.

Frau Labentz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Hanna Labentz

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„Aus einer kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden“

Julie Chauvet in ihrem Heimatort Bourcefranc

Ihre jugendlichen Helden bestehen Abenteuer im Alltag. Mit lebensnahen Geschichten bringt die deutsch-französische Autorin Julie Chauvet Kindern und Jugendlichen ihre Muttersprache näher. Wir sprachen mit Julie Chauvet über Ihre Arbeit.

Extra Update: Ihre aktuellen Jugendromane „L’inconnue du TGV“ und „Marie et l’hypnotiseur“ richten sich an Kinder und Jugendliche, die Französisch in der Schule lernen. Wie sind Sie darauf kommen, sich dieser Zielgruppe zuzuwenden?
Julie Chauvet: Da ich in Frankreich schon einen Jugendroman veröffentlicht habe und in Deutschland lebe, ist der Klettverlag auf mich aufmerksam geworden und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für deutsche Jugendliche zu schreiben. Als Französin, die seit 18 Jahren in Deutschland lebt, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Lernen einer Fremdsprache manchmal mühsam sein kann. Zum Glück gibt es heutzutage Mittel, die dabei helfen können. Kleine angepasste Romane erhöhen bei Kindern und Jugendlichen die Motivation. Ich habe mich also für Klett sofort an die Arbeit gemacht, mit dem Ziel, deutsche Schüler für die französische Sprache zu begeistern.

Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Romane?
Als Mutter von zwei Grundschulkindern bin ich täglich mit der Welt der Kinder konfrontiert. Es ist sehr inspirierend. Dazu kommt, dass ich selber eine sehr abenteuerliche Kindheit in einem Fischerdorf am Atlantik gehabt habe. Oft hole ich meine Inspiration aus dieser Zeit. Aber das wichtigste für meine Arbeit als Schriftstellerin ist es, die Welt und die Leute um mich herum zu beobachten. Aus jeder kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden, wenn man ein bisschen Fantasie hat.

Was ist Ihnen persönlich bei Ihren Geschichten wichtig?
Mir ist es wichtig, den deutschen Schülern auch die kulturellen Hintergründe Frankreichs zu vermitteln. Es geht hier nicht nur um das Lernen der französischen Sprache. Es geht auch um das Entdecken der französische Kultur und der Lebensgewohnheiten. Da gehören die Musik, die Kunst, die Esskultur und vieles mehr dazu.

Gerade Schüler, die noch nicht lange Französisch lernen, haben noch keinen großen Wortschatz. Wie schaffen Sie es, trotzdem einen Spannungsbogen aufzubauen?
Sie würden staunen, was ein Schüler nach 2 Jahren schon gelernt hat! Auf jeden Fall genug Vokabeln, mit denen man eine Geschichte erzählen kann. Wichtig ist, dass man einfache grammatikalische Sätze schreibt. Es gibt auch Wörter, die „durchsichtig“ sind. Die Schüler können sie einfach aus der deutschen Sprache oder sogar aus der englischen Sprache ableiten.

Welche Vorgaben des Verlags müssen Sie dabei einhalten?
Der Verlag informiert mich über die Vokabelliste und die grammatikalischen Kenntnisse, die die Schüler schon gelernt haben. Ich darf aber auch neue Wörter einführen, die unten auf jeder Seite in der Übersetzung stehen. Zu viel darf es aber nicht werden, da es sonst die Lektüre stören würde. Auch die Länge des gesamten Textes ist begrenzt. Maximal 24 Seiten inklusive Verständnisübungen. Ansonsten bin ich relativ frei und schreibe einfach die Geschichte, die ich mir ausgedacht habe.

Wie lange dauert es, bis eine neue Geschichte fertig ist?
Es ist unterschiedlich. „L’inconnu(e) du TGV“ ist in einer Woche entstanden und wurde sofort ohne Veränderungen vom Verlag angenommen. Für „Marie et l’hypnotiseur“ war das eine lange Geburt. Ich hatte mich in meine Geschichte „verliebt“ und sie wurde viel zu lang. Zusammen mit meiner Lektorin haben wir sie verkürzen müssen. Nun wollte ich nicht alle spannende Details einfach so wegwerfen. Deswegen musste ich an der Umformulierung wochenlang arbeiten. Erstaunlicherweise hat es am Ende gut geklappt und ich habe es geschafft, einen kürzeren Text zu schreiben ohne meine Geschichte zu verändern.

Die beiden Jugendromane für Schüler wurden parallel mit einer Audio-CD herausgegeben. Was ist darauf zu hören und warum gibt es dieses zweite Medium überhaupt?
Wenn man eine Fremdsprache lernt, ist es wichtig, dass die Aussprache stimmt. Die Schüler haben die Möglichkeit den Text des Romans über die Audio-CD zu hören und dabei ihren Akzent zu verbessern. Die Sprecher sind natürlich Muttersprachler. Auf der CD meiner Romane ist auch meine eigene Stimme zu hören, da ich auch als Sprecherin für französische Texte arbeite.

Ihre methodischen Überlegungen kommen nicht von Ungefähr. Sie haben schon selbst Französisch im Gymnasium unterrichtet. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Obwohl ich keine gelernte Französischlehrerin bin, habe ich schon einmal für 6 Monate eine achte Klasse unterrichtet. Das Regierungspräsidium hatte mich darum gebeten. Es war richtig toll. Ich habe versucht, die Schüler für meine Sprache und mein Land zu begeistern. Wir haben viele französische Lieder gehört und dabei trotzdem schwierige grammatikalische Themen angesprochen. Auf jeden Fall habe ich erlebt, wie die Arbeit als Lehrer viele Vorbereitung und Kreativität verlangt. Wenn man als Lehrer in einer achten Klasse schlecht vorbereitet ist und unmotiviert kommt, lassen es einen die Schüler spüren und am Ende sind Lehrer und Schüler alle frustriert und unzufrieden. Ein guter Lehrer zu sein, ist eine anstrengende Arbeit.

Ihre Jugendromane sind nur ein Teil Ihrer Arbeit. Verraten Sie uns, an welchem Projekt Sie gerade arbeiten?
Zuletzt habe ich ein Theaterstück auf Deutsch geschrieben. Es nennt sich „Die Französin zwischen den Stühlen“ und erzählt die Geschichte der Caroline, einer in Deutschland lebenden Französin, die dem Geheimnis der ungleich anmutenden Kulturen partout auf die Schliche kommen will. Es hatte im Rahmen der Stuttgarter Französischen Wochen Premiere.

Wir danken Ihnen für das nette Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Bilder: Julie Chauvet in ihrem Heimatort Bourcefranc an der französichen Atlantikküste
Titel Jugendroman „L’inconnu(e) du TGV“, erschienen im Klett-Verlag
Titel Jugendroman „Marie et l’hypnotiseur“, erschienen im Klett-Verlag
Kinderzeichnung von Tizia (7) zu Jugendromanen im Unterricht

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„Aus einer kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden“

Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

Als sich im März 2012 rund 50 Kolleginnen und Kollegen in einer Restaurantküche in Hamburg-Poppenbüttel versammelten, war ihnen noch nicht klar, was aus der ersten Veranstaltung der neuen Extra Akademie entstehen sollte. Zwei Jahre danach bietet die Akademie in den Themenfeldern Psychologie, Ernährung sowie Recht und Organisation ein umfangreiches Fortbildungsangebot für Beschäftigte im Extra Team Kita.

Der Weg von der Idee, die Extra Akademie zu gründen, bis zur tatsächlichen Umsetzung, war länger als erwartet. So mussten geeignete Schulungsräume und kompetente Referenten gefunden werden. Nicht zuletzt musste ein strukturierter und interessanter Seminarplan  entworfen werden, der die Teilnehmer begeistert. „Bei der ersten Veranstaltung war ich einfach nur gespannt, wie das Seminar bei den Kolleginnen und Kollegen überhaupt ankommt,“ erinnert sich Tessa Dittmer, die das Extra Team Kita in Hamburg und Lübeck leitet. „Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht und mit den Kollegen ausführlich gesprochen. Wir wollten Seminare anbieten, bei denen die Teilnehmer aktiv einbezogen werden, statt nur passiv den Vortragenden zuzuhören.“

Für das erste Seminar haben wir uns dann entschieden, in einem Kochkurs, bei dem jeder Teilnehmer auch selber in der Küche steht, zu zeigen, wie ein kindgerechtes Essen lecker und gesund zubereitet werden kann. Für den theoretischen Hintergrund sorgte die Heilpraktikerin Judith Kliewe. In Küche und Restaurant von Jörg Lemke im Forum Alstertal setzen wir die Theorie unmittelbar in die Praxis um. Seit Sommer 2013 betreut Katharina Kirchner die Organisation der Extra Akademie Veranstaltungen. Mittlerweile hat sie schon eine ganze Reihe von Schulungen vorbereitet und auch an den einzelnen Veranstaltungen selbst teilgenommen. „Sehr stark war mir aufgefallen“, so Kirchner, „wie wichtig es ist, ausreichend Zeit zum Diskutieren und für den Erfahrungsaustausch einzuplanen. Das kam anfangs teilweise etwas zu kurz. Seit 2014 haben wir daher für die einzelnen Veranstaltungen mehr Zeit eingeplant.“

Entscheidend für die Entwicklung des Akademie-Angebotes war von Anfang an das Teilnehmer-Feedback. Bis heute endet jede Schulung mit einer Bewertung durch die Teilnehmer. Hier haben sie auch die Möglichkeit, Themen für zukünftige Veranstaltungen vorzuschlagen. „Ich war überrascht über die sehr speziellen Themenwünsche der Teilnehmer.“, so Kirchner. „Wir hatten bei der Konzeption der Veranstaltungen zunächst versucht, einen möglichst breiten Themenbereich zu berücksichtigen und nur vereinzelt Spezialthemen zu behandeln. Das erschien uns wichtig, weil unsere Kolleginnen und Kollegen in so vielen unterschiedlich strukturierten Einrichtungen tätig sind. Inzwischen wissen wir, dass die Bearbeitung speziellerer Themen, insbesondere aus dem Bereich Psychologie, als interessanter empfunden wird.“

Tatsächlich wurden die entwicklungspsychologischen Seminare von den Teilnehmern besonders gut bewertet und auffallend häufig auf die Wunschliste künftiger Veranstaltungen gesetzt. „Dabei war es für uns eine besonders große Herausforderung, gerade für diesen Bereich Referenten zu finden, die in der Lage sind, in der relativ kurzen Zeit des Seminars das Vertrauen der Teilnehmer zu gewinnen und so auch inhaltlich einen interessanten Erfahrungsaustausch zu ermöglichen“, erinnert sich Extra-Geschäftsführer Christoph Sembritzki. „Ich bin sehr glücklich, dass wir mit Franka Metzner und Franziska Bomba zwei hervorragende Psychologinnen für unsere Akademie begeistern konnten, die stets gemeinsam als Referentinnen in den Schulungen zur Verfügung stehen und auf diese Art ein hohes Maß an Interaktion mit der Teilnehmergruppe ermöglichen.“

Der so entstehende Workshop-Charakter ist auch für die Referentinnen selbst eine Bereicherung ihrer Arbeit. „Insgesamt gefällt uns das Konzept der Extra Akademie ausgesprochen gut“, meint Franka Metzner. „Wir konnten unsere Erfahrungen mit den bisherigen Veranstaltungen sehr intensiv mit den Verantwortlichen im Extra Team Kita besprechen und freuen uns, dass viele von unseren Ideen für zukünftige Veranstaltungen bereits von den Teilnehmern auf den Feedbackbogen vorweggenommen worden sind.“ Besonders gefreut hat sich Franziska Bomba darüber, dass einige Teilnehmer gleich zu mehreren Veranstaltungen gekommen sind. „Wir haben nicht erwartet, dass wir die Möglichkeit bekommen, Teilnehmer über mehrere Seminare besser kennenlernen zu können. Gerade von diesen ‚erfahrenen‘ Teilnehmern kommen sehr viele wertvolle Beiträge. Das macht es uns als Referentinnen auch leichter, den Stoff lebendig zu vermitteln.“

Im ernährungswissenschaftlichen Bereich konnte die Extra Akademie inzwischen mit der Dipl.-Ökotrophologin Anette Frisch eine weitere renommierte Referentin gewinnen. Anette Frisch hat auch das erste Seminar der Extra Akademie in Berlin durchgeführt. Hier konnte sie die Teilnehmer besonders beeindrucken, indem sie den relativen Fettgehalt von Lebensmitteln anhand kleiner Würfel verpackter Butter darstellte. Einen wichtigen Anteil am erfolgreichen Start der Extra Akademie hatte die Entscheidung, die Hamburger Veranstaltungen in den Seminarräumen der SOAL in Hamburg-Altona durchzuführen. Hier stehen moderne Präsentationsgeräte zur Verfügung und die ruhige Umgebung bietet die Möglichkeit sich ganz auf den Seminarinhalt zu konzentrieren.

„Es war eine hervorragende Entscheidung, die Extra Akademie zu gründen“, ist Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay überzeugt. „Ich bin sicher, dass auch unsere neuen Themen gut angenommen werden, denn sie beruhen maßgeblich auf den Ideen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

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Top-Thema der Extra Akademie: Resilienzfaktoren
Die beliebtesten Kurse waren 2013 die im Rahmen der entwicklungspsychologischen Reihe angebotenen Veranstaltungen zu Resilienz- bzw. Schutzfaktoren. Zu Beginn dieser Veranstaltungen wurde ein kurzer Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm gezeigt. Er schildert den Alltag eines fünfjährigen Jungen, der zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester bei seiner überforderten Mutter aufwächst. Obwohl selber noch ein Kind übernimmt der Junge klaglos die Verantwortung für seine Schwester. Selbstvertrauen erhält er bei den Erziehern seiner Nachmittagsbetreuung. In den sich an den Filmausschnitt anschließenden Diskussionen konnten die Teilnehmer dann die weiteren Bereiche und Situationen herausarbeiten, die als Schutzfaktor dienen können.

Bilder:
Dipl.-Psych. Franka Metzner zum Thema Entwicklungspsychologie
Kolleginnen im Praxisteil der ersten ernährungswissenschaftlichen Fortbildung
Tessa Dittmer (l.) und Katharina Kirchner vor dem Gebäude der Hamburger „Soal“

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Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

In unserer Kita essen alle aus einem Topf

In unserer Kita essen alle aus einem Tipf

Jörg Lemke ist Restaurantbetreiber und Caterer aus Hamburg-Poppenbüttel. Vor allem aber ist er selbst Vater und damit täglich mit Fragen des Kita-Essens konfrontiert. Mit ihm sprach Extra Update Kita darüber, wie das Essen in Kindertagesstätten zum gesunden und abwechslungsreichen Gemeinschaftserlebnis werden kann.

Extra Update Kita: Jörg, Du betreibst in Hamburg Poppenbüttel ein erfolgreiches Restaurant sowie einen Partyservice, mit dem Du auch große Gartenfeiern und Hochzeiten ausrichtest. Wie bist Du da auf die Idee gekommen, jeden Tag für Dutzende von Kindern zu kochen?
Jörg Lemke: Da ich selber einen Sohn habe, der im Kindergarten ist, weiß ich, wie wichtig es Eltern ist, wenn Ihre Kinder auch während der Tagesbetreuung mit gesunden und ökologischen Speisen versorgt werden. Leider ist es aber oft so, dass die Speisen in den „klassischen“ Metallbehältern und in Thermoboxen angeliefert werden. Außerdem werden sie häufig unnötig lange bei viel zu hohen Temperaturen heiß gehalten, sodass die meisten Vitamine verloren gehen. Von der optischen Qualität mal ganz abgesehen. Dazu kommt, dass für mich als Koch Essen eine der wichtigsten und schönsten Dinge überhaupt ist. Ich finde es schade, wenn Kinder das tägliche Essen nicht mehr als soziales Ereignis, bei dem alle zusammenkommen und gemeinsam essen, erleben.

Und wie hast Du dann die Chance bekommen, Deine Idee umzusetzen?
Als wir die Möglichkeit bekamen, für die Kita „Heilig Kreuz“ in Volksdorf die Verpflegung der Kinder zu übernehmen, wollten wir das unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien auch umsetzen. Als erstes mussten wir nach einer Alternative zu den Thermoboxen Ausschau halten, die wir im Bereich des Partyservices auch fanden. So konnten wir auch gleich noch einen weiteren wichtigen Punkt abdecken: unsere Speisen werden in Wärmepfannen mit Glasdeckeln geliefert, die einfach an die normalen Steckdosen angeschlossen werden. Die Erzieher können so auf den ersten Blick sehen, welche Speise in welcher Pfanne enthalten ist. Vor allem aber wird das Essen schonender zubereitet und nur für den tatsächlich benötigten Zeitraum erhitzt bzw. warm gehalten. Der entscheidende Punkt aber, den wir mit dieser Variante ins Spiel bringen, ist: Wir haben dadurch die Möglichkeit, für jede einzelne Kita-Gruppe separate Pfannen anzurichten. Somit können die Pfannen auch einzeln auf die Tische gestellt werden und es entsteht in der Kita-Gruppe das Gefühl „alle essen aus einem Topf“ – und das macht Essen dann letztlich zu dem sozialen Erlebnis, das es meiner Meinung nach sein sollte.

Wer bestimmt, was es in der Kita zu Essen gibt? Kann die Kita ihr Menu auch selbst auswählen?
Es haben sich zwei Möglichkeiten für uns eröffnet, um die Auswahl der jeweiligen Speisen für die Kitas zu vereinfachen. Zum eine können die Kitas drei Wochen im Voraus von uns gestaltete Speisepläne erhalten – dabei achten wir selbstverständlich auf Abwechslung und Ausgewogenheit.  Oder aber die Kitas schreiben uns Ihre Wünsche auf und wir setzen diese um. Auf Nachfrage machen wir natürlich gerne Vorschläge oder geben Tipps, wie zum Beispiel Allergien und Religionszugehörigkeiten der Kinder bei der Gestaltung des Speiseplans berücksichtigt werden können.

Wo bekommt Ihr die Zutaten für Euer Essen her? Gibt es speziell für das Kita-Essen eigene Zulieferer?
Durch den Partyservice haben wir immer gute Kontakte zu Lieferanten aus der Region und können so für Qualität garantieren und unnötige Transportwege vermeiden. Natürlich bieten wir auch eine komplette Bio-Variante für die Verpflegung der Kinder an.

Übernehmt Ihr für die Kita den kompletten Essensservice? Wie sieht es mit der Reinigung der Pfannen aus?
Zu unserer Leistung gehört die Lieferung und die Zubereitung der Speisen und der Nachspeisen, die Versorgung mit frischem Obst über die ganze Woche, die Bereitstellung des Warmhalte- und Vorlegegeschirrs und die Abholung des Leihmaterials und der Speisereste. Da wir alle Gerätschaften in unserer Küche gründlich reinigen, bevor wir sie wieder verwenden, müssen diese auch nicht in der Kita abgewaschen werden.

Jörg, wir danken Dir für das Gespräch!

Bild: Wärmepfannen mit Glasdeckel im Kita-Alltag fördern das soziale Erlebnis des gemeinsamen Essens

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Computer in der Kita – ein Reizthema?

Computer in der Kita – ein Reizthema?

Alp Parer ist Sozialpädagogischer Assistent aus Leidenschaft und in seiner Freizeit versierter Computer-Nutzer. Mit Tessa Dittmer sprach er darüber, wie er im Extra Team Kita beide Themen mit einander verbinden kann.

Tessa Dittmer: Schon in mehreren Einrichtungen haben Sie sich inzwischen nicht nur um Kinder sondern auch um Computer gekümmert. Wie kam das und warum wurde das überhaupt zum Thema?
Alp Parer: Das hat sich einfach so entwickelt. In der ersten Kita bin ich mit der Leitung ins Gespräch über Projekte gekommen, die mich in meiner Freizeit beschäftigten. So kamen wir auf Audio- und Computerprojekte und die Frage, wann und in welcher Form Kinder und Computer zusammengebracht werden sollten.

Wir haben gehört, dass Sie ein echter Linux-Fan sind. Warum gerade dieses Betriebssystem?
Die Arbeit am Computer ist schon seit über 15 Jahren mein Hobby. Angefangen habe ich damals mit Windows 95. Die vielen Programmabstürze haben mich dann aber nach Alternativen suchen lassen. So bin ich zum Betriebssystem Linux gekommen. Gerade die Möglichkeiten, Musikdateien zu schneiden und zu bearbeiten, haben mich begeistert. Für Linux sind viele Programme kostenfrei erhältlich. Natürlich legal!

Welche technische Umgebung finden Sie in Kitas vor?
Manche Einrichtungen sind vom Träger sehr professionell ausgestattet. Da klappt alles und es gibt Verantwortliche. Aber ich habe jetzt schon zweimal in Kitas auch eine ganz andere Situation vorgefunden: ein PC oder Laptop ist vorhanden, aber es fehlt der Überblick zu Betriebssystem, Lizenzen, Updates oder Virenschutz. Außerdem kennen sich viele einfach nicht mit der Technik aus. Und weil das Geld knapp ist, will oder kann sich niemand einen Experten von außen leisten.

Und da haben Sie Ihre Hilfe angeboten?
Ja, die Leitungen der Einrichtungen haben das sehr gern angenommen. So habe ich den ersten Computer auf Linux umgebaut. Da Linux kostenfrei und virensicher ist, ist das eine tolle Lösung für eine Kita. Apple könnte mit dem Macintosh eine ähnlich benutzerfreundliche Alternative sein, nur die ist dann eben sehr teuer.

Erzählen Sie uns etwas über die technischen Anforderungen in den Kitas.
In meiner aktuellen Einrichtung stehen zwei Rechner dem Programm: einer für uns Mitarbeiter und einer für die Kinder. Auf dem Mitarbeiter-Rechner habe ich zunächst Linux installiert und danach Open Office für Text, Tabellen und die üblichen Office-Anforderungen. Und dank Thunderbird klappt die E-Mail-Kommunikation hervorragend. Die Benutzer lassen sich bei Linux genauso anlegen, wie man das von Windows gewohnt ist. Gerade wenn sich in einer Einrichtung mehrere Personen ein Gerät teilen, ist das ein wichtiger Punkt. Diese Möglichkeiten kommen auch beim Einsatz des PC für die Kinder gut an. Das eigene Startfoto und der eigene Desktophintergrund sind erste Erfolgserlebnisse.

Die Frage, ab wann oder ob überhaupt Kinder in Berührung mit Computern kommen sollten, wird oft recht kontrovers diskutiert. Wie erleben Sie diese Debatte?
Meine Wahrnehmung ist, dass Eltern und Erzieher heute ein frühes Heranführen an die Computertechnik in Ordnung finden. Das war vor 5 Jahren sicher noch anders.

Die Berührungsängste sind spürbar geringer geworden. Es herrscht jetzt eher die Meinung vor, dass die Kinder ohnehin sehr schnell mit der Technik in Berührung kommen. Diesen Weg bewusst zu gestalten, erscheint da vielen besser, als zu versuchen, Verbote durchzusetzen.

Ist es nicht ein Problem, dass Kinder am Computer nur noch allein mit sich und dem PC beschäftigt sind?
Ganz so allein ist diese Beschäftigung gar nicht – zumindest nicht in den Kitas. Da stehen oft ganz viele Kinder zusammen und kommentieren, helfen, bewerten, sticheln oder freuen sich ganz einfach. Übertrieben werden sollte die Nutzung aber natürlich nicht. Mit einer Beschränkung auf maximal 30 Minuten pro Tag habe ich gute Erfahrungen gemacht, aber das hängt natürlich immer vom Einzelfall ab.

Und sicher auch vom Inhalt. Welche Programme installieren Sie und welche nicht?
Welche Programme oder Spiele auf dem Computer vorhanden sind, ist der erste entscheidende Punkt. Außerdem installiere ich die Rechner für Kinder so, dass kein Online-Zugang besteht. Damit ist zunächst sichergestellt, dass keine Programme aus dem Netz geladen werden, die unerwünscht sind. Gleichzeitig ist das System gegen Angriffe von außen geschützt.

Die Kita muss dann entscheiden, welche Programme oder Spiele die Kinder nutzen dürfen. Es gibt in der Linux-Welt eine große Zahl von Lernspielen, die kostenlos genutzt werden können. Dazu gehören Geographie-Spiele oder auch Spiele, die das Erinnerungsvermögen fördern wie verschiedene Versionen von Memory, zum Beispiel mit Bildern und Tönen. Auch die Auswahl an Puzzles und Logikspielen ist groß und natürlich gibt es auch Spiele, die die Rechtschreibung fördern oder die Spracherweiterung unterstützen. Wer sich das genau anschauen möchte, kann beispielsweise einmal die Webseite http://www.ubuntu.de durchforsten. Dort ist als ganz einfaches Spiel zum Beispiel „Blinken“ erhältlich. Hier geht es darum, Farben auseinanderzuhalten und Tonfolgen zu lernen. Und „G Compris“ ist ein Beispiel für eine abwechslungsreiche Spielesammlung für Kinder ab 2 Jahren.

Für Zweijährige? Ist das denn nicht wirklich noch zu früh, so etwas wie das Unterscheiden von Farben über den Computer zu lernen?
Der PC kann sehr motivierend sein, etwas zu erlernen. Mit manchem Spiel kann man die Kleinen auch ganz gut aus der Reserve locken, wenn man sie anders nicht erreicht. Aber natürlich ist nicht jedes Kind gleich. Man muss schon individuell überlegen, wann und mit welchen Programmen die Nutzung des Computers beginnen soll. Und natürlich reden wir hier nicht von einer täglichen Dauernutzung, sondern von einer gezielten Nutzung in klar definierten Zeiträumen. In der Regel übe ich mit den Kindern in meinen Gruppen die Farben auch ganz einfach in der wirklichen Welt – mit bunten Legosteinen.

Vielen Dank für das Gespräch. Wir sind gespannt darauf, welche Einrichtung als nächstes zu Linux wechselt.

Bild: Alp Parer und Tessa Dittmer testen die Spielesammlung „G Compris“ für Linux


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