Ich liebe diese Wanderschaft

Frau Siegemund-Botembe


Eigentlich ist Adèle Siegemund-Botembe von Beruf Krankenpflegehelferin. Mehrere Jahre hat sie in Berlin in verschiedenen Häusern gearbeitet. Im Gespräch mit der Berliner Extra-Niederlassungsleiterin Heike Weber erzählt sie einen Teil ihrer persönlichen Geschichte, wie sie zum Extra Team Kita gestossen ist und warum sie den abwechslungsreichen Berufsalltag dort so schätzt.

Extra Team Kita: Vor Ihrem Start bei Extra haben Sie in der Altenpflege gearbeitet. Was waren da ihre Schwerpunkte?

Adèle Siegemund-Botembe: Seit meiner Validations-Ausbildung war ich hauptsächlich in der Betreuung von Demenzpatienten tätig. Das war eine sehr spannende Aufgabe. Die Menschen brauchen Strukturen. Wir haben sie bei täglichen Ritualen wie der Körperpflege, bei Handarbeiten oder auch beim Kochen unterstützt. Wenn ein demenzkranker Mensch merkt ‚meine Welt wird von dir verstanden‘, dann blüht er auf. Das war eine tolle Sache!

Und dennoch wollten Sie sich beruflich verändern?

Nicht unbedingt. Die Arbeit mit Menschen mit Demenz war eine erfüllende Aufgabe. Doch 2012 ergab sich im Berliner Extra Team die Chance, einmal das Arbeitsumfeld der Kita kennenzulernen. Ich fand das spontan interessant.

So sind Sie dann ‚ins kalte Wasser‘ gesprungen?

Ja, schon. Mein erster Einsatz war in einer kleinen Einrichtung in Zehlendorf in einer gemischten Gruppe von Dreijährigen bis zu Kindern im Vorschulalter. Zuerst waren die Kinder zurückhaltend, aber ganz schnell war das Eis gebrochen. Bei den Kollegen ist das oft ähnlich. Wenn man als überbetrieblich eingesetzter Mitarbeiter erstmals in eine Einrichtung kommt, sind oft Vorbehalte da. Sobald die Kollegen aber merken, dass sie sich auf einen verlassen können, wollen sei einen immer wieder buchen. Dieses Akzeptanzproblem bei Kindern und Kollegen im ersten Moment des Kennenlernens ist ganz typisch für unsere Arbeit.

Sie stammen aus dem Kongo. Spielt das in dieser Frage der Akzeptanz eine Rolle?

Das glaube ich nicht. Manchmal haben Kinder einen anderen Rhythmus als andere. Ich habe schon erlebt, dass ich einen Zugang zu Kindern bekomme, den die Kolleginnen im Stammteam nicht haben. Aber das ist keine Frage meiner Herkunft. Gerade die Kinder haben keine Berührungsängste. Sie wissen gar nicht, was Rassismus ist, das wird ihnen nur leider manchmal später anerzogen. Sie gehen ganz offen auf mich zu. Manchmal werde ich gefragt: ‚Kommst Du jeden Tag aus Afrika?‘. Dann antworte ich: ‚Nein, ich komme aus Charlottenburg.“ Ab und zu muss ich auch erklären, nicht bemalt zu sein oder ich höre ganz lieb gemeinte Kommentare, wie ‚meine Schokoladenfrau‘. Das ist alles sehr natürlich. Am liebsten würden die Kinder mit mir nach Afrika reisen. Sie träumen von diesem Kontinent und auch davon, mit einer Giraffe zurückzukommen.

Welche Rolle spielt ihr Heimatland heute für Sie?

Ich habe das Land erst wieder entdecken müssen. Ich bin zwar in Kinshasa geboren aber schon mit 13 Jahren nach Europa gekommen. Das war in den 70er Jahren. Meine Mutter arbeitete damals im diplomatischen Dienst in Belgien, bevor wir nach Deutschland zogen. Erst 2012 war ich für zwei Monate im Kongo. Das war das erste Mal, dass ich das Land bewusst erlebte. Diese Zeit in Afrika war die schönste Zeit in meinem ganzen Leben. Ich habe zwei Monate richtig auf dem Dorf gewohnt. Das war eine Reise zu meinen Wurzeln voller Erfahrungen. Ich habe traditionelle Heilmethoden und ein ganz anderes Lebensgefühl kennengelernt. Leider leidet das Land noch heute unter den Folgen der Kolonialisierung. Aber es ist hoch interessant. Allein die Sprache! Wir haben neben Französisch noch über 200 verschiedene Sprachen und Dialekte im Kongo.

Hat Ihre Herkunft Einfluss auf Ihre Arbeit in der Kita?

Ein bisschen schon. Ich vermittele den Kindern, dass es etwas Gutes ist, anders zu sein. Andere Menschen sehen anders aus, aber sie denken wie wir. Diese Botschaft nehmen die Kinder sehr gerne an.

Im Extra Team Kita sind Sie immer wieder in anderen Einrichtungen eingesetzt. Wie erleben Sie diesen Alltag?

Ich liebe diese Wanderschaft. Sie ist abwechslungsreich. Ich lerne verschiedene Kitas kennen oder arbeite in der Einzelbetreuung in Privathaushalten. Bisher habe ich alle Angebote, in Einrichtungen direkt zu wechseln abgelehnt. Bei Extra kann ich viel mehr selbst entscheiden, wann und wo ich arbeiten möchte, als in einer festen Einrichtung. Das bereichert mein Leben. Man hat das Gefühl, man bleibt jung.

Wir wissen, dass Sie auch ehrenamtlich engagiert sind. Wofür setzen Sie sich ein?

Ich habe 5 Jahre lang ehrenamtlich für die Tafel in der Gedächtniskirche gearbeitet und dort einmal pro Woche das Frühstück für Bedürftige begleitet. 50 Jahre gab es diese Einrichtung. Ich habe dort Gespräche geführt und die Seelsorge unterstützt. Leider ist die Einrichtung jetzt geschlossen. Inzwischen arbeite ich einmal pro Woche in der Kleiderkammer. Auch das ist eine gute Erfahrung. Die Berliner sind unglaublich spendabel.

Bild: Adèle Siegemund-Botembe

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Ich liebe diese Wanderschaft

„NICHTS BERÜHRT SO DIREKT WIE EIN KLANG“

Extra Team Kiita_Frau Voigt

Wenn Ingeborg Ursula Voigt in die Einrichtungen unserer Kunden kommt, wird sie nicht selten gefragt, wie sie sich musikalisch einbringen kann. Es hat sich herumgesprochen, dass die ausgebildete Konzertpianistin und Musikerzieherin ganz besondere Fähigkeiten hat. „Das Singen“, sagt sie, „bringt sofort Ruhe in eine Gruppe von Kindern. Das lockert alles.“

Extra Update Kita: Ihr Ruf eilt ihnen vorweg, Frau Voigt. Kürzlich wurden sie in einer Einrichtung von den Kindern mit einem lauten „Inge-singe-Dinge“ begrüßt. Bei den Kindern kommt es offenbar gut an, wie sie Musik in den Kita-Alltag integrieren.

Ingeborg Ursula Voigt: Ja, das war ein schönes Erlebnis. Ich schreibe ja oft meine eigenen Lieder, zum Beispiel Begrüßungs- oder Essenlieder. Die singen wir dann gemeinsam in den Kitas. Das macht den Kindern viel Spaß und mir übrigens auch.

Welche Rolle spielt die Musik in ihrem eigenen Leben?

Nach meiner Ausbildung als Konzertpianistin habe ich viel Kammermusik gemacht und viel unterrichtet. Als später meine eigenen Kinder ihre Schulabschlüsse gemacht hatten, habe ich an einer Musikschule wieder angefangen. Die Musik hat mich mein Leben lang begleitet.

Welche pädagogische Funktion würden sie der Musik zuschreiben?

Nichts berührt so direkt wie ein Klang. In integrativen Einrichtungen lässt Musik die Grenzen zwischen den Kindern verschwinden. Ich habe einmal mit einem Autisten und einem stotternden Kind gearbeitet. Über den Gesang fand ich zu beiden einen Zugang. Und das ist ganz wichtig für die weitere Begleitung der Kinder. Bei dem stotternden Kind ist es im Ergebnis zu einer Heilung gekommen. Diese erstaunliche Wirkung kennen wir aus der Musiktherapie. Eine Ausbildung in diesem Bereich ist sehr wertvoll, so können wir Musik bewusst einsetzen.

Im Alltag senken wir manchmal einfach nur den Geräuschpegel mit meditativer Musik. Das geht sehr schnell. Doch wenn mehr Zeit ist, arbeiten wir synästhetisch. Es wird musiziert, getanzt, geschauspielert. Gerade mit den 3- bis 4-jährigen kann man so viel machen. Die Kinder lieben es, selbst Instrumente einzusetzen.

Oder denken sie an den Umgang mit Konflikten. Ich hatte kürzlich eine solche Szene: zwei Jungs hauten sich auf die Köpfe. Es war kurz vor einem Eklat. Dann haben meine Kollegin und ich begonnen, ein Lied zu singen und sofort haben sich die beiden Raufbolde hingesetzt und zugehört. Wir haben dann „Heile Segen“ gesungen, es melodiös ausgeschmückt und gemeinsam improvisiert. Manchmal ist es auch sehr wirkungsvoll ‚albern‘ oder ‚operesk‘ zu singen. Da ergänzen sich dann die Wirkungen von Musik und Humor.

Sind das die Momente, in den ihnen die Kinder am meisten von ihrer Arbeit zurückgeben?

Ja. Wenn ein Kind dann leuchtet und einem seinem Anerkennung schenkt, ist das ein herrlicher Moment. Das ist Leben pur, mit Kindern zu arbeiten.

Sie sind für Extra ja in verschiedenen Einrichtungen tätig. Können sie Musik überall in gleicher Weise einsetzen?

Ich komme wirklich viel herum. Es ist so schön, diese Abwechslung zu haben, in verschiedenen Einrichtungen zu improvisieren. Natürlich ist jede Einrichtung anders und es gibt überall einen klaren Tagesablauf. Aber wo immer es passt, bringe ich mich ein. Meistens sind ein Keyboard und die Orffschen Instrumente vorhanden. Damit kann man viel machen. Manchmal spiele ich den Kinder aber auch einfach nur etwas vor. Gerade Crossover-Musik mit orientalischen Einflüssen setze ich gerne quer durch alle Kulturen ein. Man muss eben immer überlegen, was gerade passt. Ich sammle beispielsweise Wiegenlieder, auch aus Algerien oder der Türkei. Damit kann ich immer sehr individuell auf Kinder eingehen. Nicht nur für die Kinder selbst ist das schön, auch die Kolleginnen nehmen das sehr dankbar auf.

Bei all den verschiedenen Gelegenheiten, Musik einzusetzen – was ist ein echter Höhepunkt für Sie bei der musikalischen Arbeit mit Kindern?

Am allerschönsten ist es, mit den Kindern draußen in der Natur zu singen. Da singen die Kinder den Vögeln nach!

Bild: Ingeborg Ursula Voigt

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„NICHTS BERÜHRT SO DIREKT WIE EIN KLANG“

Haferflockensuppe zum Frühstück

Extra Kita Blog Frau Helgason

Sylvie Helgason strahlt, gerade auch wenn sie von Ihrer Arbeit berichtet. Man spürt, dass sie mit dem Herzen dabei ist. Wir wollten mit ihr über ihre Arbeit in Berliner Kitas reden. Herausgekommen ist ein Gespräch über kulturelle Unterschiede.

Extra Update Kita: Frau Helgason, wenn man Ihren Namen hört, denkt man nicht sofort an Ihre Heimat Mauritius.

Sylvie Helgason: (lacht) Das stimmt. Mein Mann war Isländer. Ich bin mit 21 mit ihm nach Deutschland gekommen. Daher der Name.

In Mauritius ist die Amtssprache englisch, für Sie also eine Selbstverständlichkeit. Ist das eine wichtige Bereicherung bei Ihrer Arbeit in Kitas?

Grundsätzlich schon. Im Kollegenkreis musste ich aber auch einmal die Erfahrung machen, dass es zunächst nicht gut ankam, manchmal englisch zu sprechen. Da ist schnell ein Konflikt entstanden. Nach einer Studienreise aber, während der nur englisch gesprochen wurde, waren meine Sprachkenntnisse plötzlich wertgeschätzt. Für mich ist die Sprache Teil meiner Heimat Mauritius, die mich geprägt hat. In Mauritius spielen viele Kulturen eine Rolle. Durch Freunde mit britischem Hintergrund hatte ich schon in meiner Kindheit und Jugend so viel Kontakt mit dieser Kultur, dass ich noch heute das Frühstück mit Haferflockensuppe verbinde.

Es drängt sich gerade zu auf, dass wir uns noch etwas über kulturelle Unterschiede unterhalten. Sie sind als Mitglied unseres Berliner Teams unterwegs. Wie erleben Sie den Kita-Alltag in dieser Hinsicht?

Kulturelle Herausforderungen gibt es nicht nur in Wedding mit einem höheren Anteil muslimischer Familien. Auch in einem deutsch-französischen Umfeld in Zehlendorf gibt es kulturelle Probleme. Ist nun ein Klaps jetzt in Ordnung oder nicht akzeptabel? Das sehen nicht alle gleich. Doch wir sind natürlich in Deutschland und haben unsere eigenen Wertvorstellungen, die mit denen anderer Kulturen manchmal konkurrieren.

Wie gehen Sie ganz praktisch mit unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Anforderungen um?

Beim Frühstück zum Beispiel kann man weiße Teller für Wurst aus Schweinefleisch verwenden und silberne Teller für Wurst ohne Schweinefleisch. So lassen sich erst einmal Verwechslungen verhindern. Wenn dann ein Kind die Wurst, die es nicht essen möchte oder darf mit „Iiii“ kommentiert, erkläre ich ihm, dass das Essen ist und wir das aus religiöser Sicht vielleicht unterschiedlich betrachten, aber dass wir es doch trotzdem wertschätzen.

Sind diese kulturellen Unterschiede eigentlich eher eine Belastung oder eine Chance im Kita-Alltag?

Ich sehe das als große Chance. Die Welt ist inzwischen ganz bunt geworden. Wir versuchen, die Kinder zu ermuntern, diese Vielfalt zu entdecken. Noch einmal ein Beispiel aus dem gemeinsamen Essen: die Köchin in einer Einrichtung hatte einmal Rucola auf der Pizza vergessen und wollte ihren Fehler korrigieren. Eine Kollegin wehrte dann ab, weil sie der Meinung war, man sollte den lieber weglassen, die Kinder würden ihn nicht mögen. Ich habe den Kindern dann erzählt, wie gut Rucola schmeckt und wie gesund er ist. Da erwachte die Neugier der Kinder und plötzlich wollten alle probieren. Diese kleine Geschichte ist einfach ein Beispiel dafür, wie wir zur Akzeptanz kultureller Vielfalt erziehen können, statt Vorurteile zu stärken.

Welche Rolle der Islam in Deutschland spielen soll oder darf wird vielfach intensiv diskutiert. Erleben Sie hier Konflikte in den Einrichtungen?

Für mich ist das eher eine sehr positive Erfahrung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: in einer Einrichtung, für die ich arbeite, nehmen wir jeden Donnerstag auch die muslimischen Kinder in den christlichen Gottesdienst in der Kirche mit. Das ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, die muslimischen Kinder sind ganz aufmerksam dabei und auch die Eltern machen alle mit. Das betrifft nicht nur den Gottesdienst, auch beim Laternenfest sind die muslimischen Familien genauso mit dabei wie die christlichen. Die muslimischen Eltern gehen zwar mit ihren Kindern auch in die Moschee, aber sie sind ganz offen, sich auch mit der christlichen Kultur auseinanderzusetzen und sich zu integrieren.

Nachdem Sie selbst verschiedene Länder und Kulturen kennengelernt haben, werden Sie in Deutschland bleiben?

Als ich nach Deutschland kam, bekam ich die Chance als Tagesmutter zu arbeiten, was ich sehr gerne tat. Das war mein beruflicher Einstieg. Damals hatte ich einen roten Stempel im Pass, auf dem stand „Arbeitserlaubnis nur als Tagesmutter“. Es war ein langer Weg für mich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, deshalb helfe ich heute auch anderen Menschen, die sich als Ausländer in Deutschland schwertun. Ich selbst bin sehr gerne in Deutschland. Mein Ziel ist es aber, später wieder nach Mauritius zurückzukehren.

Bild: Frau Sylvie Helgason

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Haferflockensuppe zum Frühstück

Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel - Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin
Hanna Labentz ist aus Weißrussland nach Deutschland gekommen. Seit 2011 arbeitet die Pädagogin im Extra Team Kita in Hamburg. Mit Tessa Dittmer sprach sie über ihre eigene Geschichte und ihren beruflichen Neuanfang.

Extra Update Kita: Frau Labentz, Sie kommen ursprünglich aus Weißrussland.
Hanna Labentz: Das ist richtig. Ich bin in Minsk aufgewachsen und habe dort auch meine Ausbildung absolviert.

Was für eine Ausbildung haben Sie denn gemacht?
Ich habe Pädagogik und Psychologie studiert.

Wie sind Sie nach Deutschland gekommen?
Mein Mann stammt aus Greifswald. Ich habe ihn in Minsk kennengelernt. Er war öfter in Weißrussland, um Gartenhäuser zu verkaufen. Wir haben uns gesehen und – es war Liebe auf den ersten Blick. Als wir uns 1999 zum ersten Mal sahen, arbeitete ich in Minsk im Kindergarten. Ich war dort sehr glücklich und habe mich sehr wohl gefühlt. Dennoch bin ich dann im Jahr 2000 zu meinem Mann nach Deutschland gezogen.

Es war sicherlich nicht leicht für Sie, Ihre Heimat zu verlassen… .
Ich habe Minsk mit Tränen in den Augen verlassen. Ich musste meine Freunde, meine Mutter und vor allem meine beiden schon erwachsenen Kinder aus erster Ehe zurücklassen. Meine Mutter hat sich damals wunderbar um uns gekümmert.

Worauf haben Sie sich in Deutschland zuerst konzentriert?
In Deutschland habe ich gleich versucht, Arbeit zu finden. Ich war mein ganzes Leben lang berufstätig und empfinde Arbeit als eines der wichtigsten Dinge im Leben. Zunächst habe ich als Tagesmutter in Privathaushalten gearbeitet und mehrere Kinder aufwachsen gesehen. Mein erstes Kind habe ich in Groß Borstel betreut. Es war damals anderthalb Jahre alt – und ist jetzt schon über zwölf! Ich habe auch diverse Kurse besucht und dabei viel gelernt wie zum Beispiel im Kurs „erste Hilfe am Kind“. Nebenbei habe ich auch deutsche Gesetze studiert und natürlich mein Deutsch verbessert.

…was Ihnen auch beeindruckend gut gelungen ist. Haben Sie schon in Minsk angefangen, deutsch zu lernen?
Bereits in der Schule habe ich Deutsch gelernt, dann während des Pädagogik- und  des Psychologiestudiums. Als ich meinen Mann kennenlernte, hatte ich schon lange kein Deutsch mehr gesprochen. Während ich ihn dann sprechen hörte, dache ich erst „Mein Gott, das ist ja deutsch!“. Nachdem mein Mann wieder nach Deutschland ging, nutzte ich die verbleibenden drei Monate, um an der Minsker Universität mein Deutsch aufzufrischen. Später in Deutschland brauchte ich dann keinen Deutschkurs mehr. Und mit meinem Mann habe ich dann ja auch nur noch deutsch gesprochen.

Angefangen haben Sie als Tagesmutter und arbeiten jetzt als Erzieherin in der Kita. Wie kam es dazu?
Irgendwann wollte ich nicht mehr alleine arbeiten. Ich liebe es – wie sagt man? – im Kollektiv zu arbeiten. Ich brauche Menschen um mich herum, mit denen ich mich regelmäßig austauschen kann – und viele Kinder. Ich habe sehr viele Bewerbungen geschrieben, hatte aber leider lange Zeit keinen Erfolg. Dann habe ich das Extra Team Kita kennengelernt. Dort hat man an mich geglaubt und mir gesagt, einen passenden Einsatz für mich als Erzieherin finden zu können. Ich bin so glücklich gewesen und habe Thomas, meinem Mann, gleich gesagt, was für eine nette Person ich im Extra Team Kita kennengelernt hatte. Das waren Sie, Frau Dittmer! Ich war sehr glücklich, als Sie mir einen unbefristeten Arbeitsvertrag als Erzieherin angeboten haben.

Wie fühlen Sie sich in Deutschland?
Ich habe mein Glück in Deutschland gefunden – meine Liebe, meinen Mann, mit dem ich in Groß Borstel lebe und einen Job als Erzieherin! Es bedeutet mir sehr viel, wieder als Erzieherin arbeiten zu können. Wenn ich jetzt in den Hort komme, rufen die Kinder schon von weitem „Hanna! Hanna ist wieder da!“. Ich liebe Kinder und bin so glücklich, dass ich mich wieder um eine ganze „Horde“ kümmern kann. Immer wenn es ein Kind gibt, das mich braucht, bin ich glücklich. Ich möchte viel Liebe geben und einfach für die Kinder da sein.

Was unternehmen Sie mit den Kindern?
Gestern habe ich zusammen mit meinen beiden männlichen Kollegen mit den Kindern gebastelt, mit Farbe gespritzt und alles schön bunt gemacht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu den Eltern?
Das Basteln gestern hat den Eltern zum Beispiel sehr gut gefallen. Sie sagen oft  „Oh, Hanna, es ist gut, dass Du da bist“. Gerade betreue ich etwas weniger Kinder, aber ich musste mich auch schon mal um 25 Kinder kümmern. Da hat man kaum Zeit, auf jedes Kind individuell einzugehen. Aber jetzt kann ich mich um jedes Kind persönlich kümmern.

Wie kommen Sie mit schwierigen Kindern zurecht?
Mein Motto ist: schlechte Kinder gibt es nicht. Wenn mit dem Kind etwas nicht so gut läuft, dann liegt das meistens an der Erziehung. Natürlich hilft es auch, dass man sich im Extra Team Kita immer bemüht, die richtige Einrichtung für mich zu finden.

Das stimmt. Wir prüfen immer genau, wo wir welchen Mitarbeiter einsetzen und nehmen uns die Zeit, unsere Mitarbeiter gut kennenzulernen, auch wenn uns das anfangs viel Zeit kostet. Letzten Endes hat keiner was davon, wenn Mitarbeiter und Einrichtung nicht zusammen passen.

Wie empfinden Sie diese Planungsarbeit als Betroffene?
Die erste Einrichtung, die ich kennengelernt hatte, war super. Ich habe mich mit dem Leiter sehr gut verstanden. Als ich dort meinen letzten Tag hatte, haben mir alle Kinder zusammen ein selbst gebasteltes Buch geschenkt und alle haben sich persönlich bei mir bedankt. Ich habe vor Freude geheult wie ein Wasserfall.

Kümmern Sie sich in Ihrer Freizeit auch um Kinder?
Alle Kinder aus meiner Nachbarschaft kommen regelmäßig zu uns. Mein Mann hat ein Spielschiff mit Deutscher Flagge gebaut, mit dem die Kinder jetzt sehr viel Spaß haben. Außerdem haben wir ein Gartenhaus, in dem wir mit den Nachbarskindern regelmäßig Kuchen essen, den ich natürlich selber backe.

Haben Sie sich in Deutschland gut eingelebt?
Mein Mann und ich gehen oft auf Partys in Groß Borstel. Auch zu den Familien, bei denen ich zu Anfang als Tagesmutter gearbeitet habe, habe ich immer noch Kontakt. Außerdem gebe ich Russischunterricht. Marie zum Beispiel ist schon länger bei mir und versteht inzwischen richtig gut Russisch.

Wie sind Sie auf das Extra Team Kita aufmerksam geworden?
Ich habe auf eine Stellenanzeige reagiert. Bei der Gestaltung der Bewerbungsmappe hat mir dann mein Mann geholfen. Darauf haben Sie mich angerufen und ich bin zum Vorstellungsgespräch gekommen. Ich habe gleich einen Vertrag bekommen.

Frau Labentz, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Hanna Labentz

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Von Minsk nach Groß Borstel – Eindrücke einer weißrussischen Pädagogin

„Aus einer kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden“

Julie Chauvet in ihrem Heimatort Bourcefranc

Ihre jugendlichen Helden bestehen Abenteuer im Alltag. Mit lebensnahen Geschichten bringt die deutsch-französische Autorin Julie Chauvet Kindern und Jugendlichen ihre Muttersprache näher. Wir sprachen mit Julie Chauvet über Ihre Arbeit.

Extra Update: Ihre aktuellen Jugendromane „L’inconnue du TGV“ und „Marie et l’hypnotiseur“ richten sich an Kinder und Jugendliche, die Französisch in der Schule lernen. Wie sind Sie darauf kommen, sich dieser Zielgruppe zuzuwenden?
Julie Chauvet: Da ich in Frankreich schon einen Jugendroman veröffentlicht habe und in Deutschland lebe, ist der Klettverlag auf mich aufmerksam geworden und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für deutsche Jugendliche zu schreiben. Als Französin, die seit 18 Jahren in Deutschland lebt, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass das Lernen einer Fremdsprache manchmal mühsam sein kann. Zum Glück gibt es heutzutage Mittel, die dabei helfen können. Kleine angepasste Romane erhöhen bei Kindern und Jugendlichen die Motivation. Ich habe mich also für Klett sofort an die Arbeit gemacht, mit dem Ziel, deutsche Schüler für die französische Sprache zu begeistern.

Wie kommen Sie auf die Ideen für Ihre Romane?
Als Mutter von zwei Grundschulkindern bin ich täglich mit der Welt der Kinder konfrontiert. Es ist sehr inspirierend. Dazu kommt, dass ich selber eine sehr abenteuerliche Kindheit in einem Fischerdorf am Atlantik gehabt habe. Oft hole ich meine Inspiration aus dieser Zeit. Aber das wichtigste für meine Arbeit als Schriftstellerin ist es, die Welt und die Leute um mich herum zu beobachten. Aus jeder kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden, wenn man ein bisschen Fantasie hat.

Was ist Ihnen persönlich bei Ihren Geschichten wichtig?
Mir ist es wichtig, den deutschen Schülern auch die kulturellen Hintergründe Frankreichs zu vermitteln. Es geht hier nicht nur um das Lernen der französischen Sprache. Es geht auch um das Entdecken der französische Kultur und der Lebensgewohnheiten. Da gehören die Musik, die Kunst, die Esskultur und vieles mehr dazu.

Gerade Schüler, die noch nicht lange Französisch lernen, haben noch keinen großen Wortschatz. Wie schaffen Sie es, trotzdem einen Spannungsbogen aufzubauen?
Sie würden staunen, was ein Schüler nach 2 Jahren schon gelernt hat! Auf jeden Fall genug Vokabeln, mit denen man eine Geschichte erzählen kann. Wichtig ist, dass man einfache grammatikalische Sätze schreibt. Es gibt auch Wörter, die „durchsichtig“ sind. Die Schüler können sie einfach aus der deutschen Sprache oder sogar aus der englischen Sprache ableiten.

Welche Vorgaben des Verlags müssen Sie dabei einhalten?
Der Verlag informiert mich über die Vokabelliste und die grammatikalischen Kenntnisse, die die Schüler schon gelernt haben. Ich darf aber auch neue Wörter einführen, die unten auf jeder Seite in der Übersetzung stehen. Zu viel darf es aber nicht werden, da es sonst die Lektüre stören würde. Auch die Länge des gesamten Textes ist begrenzt. Maximal 24 Seiten inklusive Verständnisübungen. Ansonsten bin ich relativ frei und schreibe einfach die Geschichte, die ich mir ausgedacht habe.

Wie lange dauert es, bis eine neue Geschichte fertig ist?
Es ist unterschiedlich. „L’inconnu(e) du TGV“ ist in einer Woche entstanden und wurde sofort ohne Veränderungen vom Verlag angenommen. Für „Marie et l’hypnotiseur“ war das eine lange Geburt. Ich hatte mich in meine Geschichte „verliebt“ und sie wurde viel zu lang. Zusammen mit meiner Lektorin haben wir sie verkürzen müssen. Nun wollte ich nicht alle spannende Details einfach so wegwerfen. Deswegen musste ich an der Umformulierung wochenlang arbeiten. Erstaunlicherweise hat es am Ende gut geklappt und ich habe es geschafft, einen kürzeren Text zu schreiben ohne meine Geschichte zu verändern.

Die beiden Jugendromane für Schüler wurden parallel mit einer Audio-CD herausgegeben. Was ist darauf zu hören und warum gibt es dieses zweite Medium überhaupt?
Wenn man eine Fremdsprache lernt, ist es wichtig, dass die Aussprache stimmt. Die Schüler haben die Möglichkeit den Text des Romans über die Audio-CD zu hören und dabei ihren Akzent zu verbessern. Die Sprecher sind natürlich Muttersprachler. Auf der CD meiner Romane ist auch meine eigene Stimme zu hören, da ich auch als Sprecherin für französische Texte arbeite.

Ihre methodischen Überlegungen kommen nicht von Ungefähr. Sie haben schon selbst Französisch im Gymnasium unterrichtet. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Obwohl ich keine gelernte Französischlehrerin bin, habe ich schon einmal für 6 Monate eine achte Klasse unterrichtet. Das Regierungspräsidium hatte mich darum gebeten. Es war richtig toll. Ich habe versucht, die Schüler für meine Sprache und mein Land zu begeistern. Wir haben viele französische Lieder gehört und dabei trotzdem schwierige grammatikalische Themen angesprochen. Auf jeden Fall habe ich erlebt, wie die Arbeit als Lehrer viele Vorbereitung und Kreativität verlangt. Wenn man als Lehrer in einer achten Klasse schlecht vorbereitet ist und unmotiviert kommt, lassen es einen die Schüler spüren und am Ende sind Lehrer und Schüler alle frustriert und unzufrieden. Ein guter Lehrer zu sein, ist eine anstrengende Arbeit.

Ihre Jugendromane sind nur ein Teil Ihrer Arbeit. Verraten Sie uns, an welchem Projekt Sie gerade arbeiten?
Zuletzt habe ich ein Theaterstück auf Deutsch geschrieben. Es nennt sich „Die Französin zwischen den Stühlen“ und erzählt die Geschichte der Caroline, einer in Deutschland lebenden Französin, die dem Geheimnis der ungleich anmutenden Kulturen partout auf die Schliche kommen will. Es hatte im Rahmen der Stuttgarter Französischen Wochen Premiere.

Wir danken Ihnen für das nette Gespräch und wünschen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Bilder: Julie Chauvet in ihrem Heimatort Bourcefranc an der französichen Atlantikküste
Titel Jugendroman „L’inconnu(e) du TGV“, erschienen im Klett-Verlag
Titel Jugendroman „Marie et l’hypnotiseur“, erschienen im Klett-Verlag
Kinderzeichnung von Tizia (7) zu Jugendromanen im Unterricht

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„Aus einer kleinen Anekdote kann ein guter Roman werden“

Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

Als sich im März 2012 rund 50 Kolleginnen und Kollegen in einer Restaurantküche in Hamburg-Poppenbüttel versammelten, war ihnen noch nicht klar, was aus der ersten Veranstaltung der neuen Extra Akademie entstehen sollte. Zwei Jahre danach bietet die Akademie in den Themenfeldern Psychologie, Ernährung sowie Recht und Organisation ein umfangreiches Fortbildungsangebot für Beschäftigte im Extra Team Kita.

Der Weg von der Idee, die Extra Akademie zu gründen, bis zur tatsächlichen Umsetzung, war länger als erwartet. So mussten geeignete Schulungsräume und kompetente Referenten gefunden werden. Nicht zuletzt musste ein strukturierter und interessanter Seminarplan  entworfen werden, der die Teilnehmer begeistert. „Bei der ersten Veranstaltung war ich einfach nur gespannt, wie das Seminar bei den Kolleginnen und Kollegen überhaupt ankommt,“ erinnert sich Tessa Dittmer, die das Extra Team Kita in Hamburg und Lübeck leitet. „Wir hatten uns im Vorfeld viele Gedanken gemacht und mit den Kollegen ausführlich gesprochen. Wir wollten Seminare anbieten, bei denen die Teilnehmer aktiv einbezogen werden, statt nur passiv den Vortragenden zuzuhören.“

Für das erste Seminar haben wir uns dann entschieden, in einem Kochkurs, bei dem jeder Teilnehmer auch selber in der Küche steht, zu zeigen, wie ein kindgerechtes Essen lecker und gesund zubereitet werden kann. Für den theoretischen Hintergrund sorgte die Heilpraktikerin Judith Kliewe. In Küche und Restaurant von Jörg Lemke im Forum Alstertal setzen wir die Theorie unmittelbar in die Praxis um. Seit Sommer 2013 betreut Katharina Kirchner die Organisation der Extra Akademie Veranstaltungen. Mittlerweile hat sie schon eine ganze Reihe von Schulungen vorbereitet und auch an den einzelnen Veranstaltungen selbst teilgenommen. „Sehr stark war mir aufgefallen“, so Kirchner, „wie wichtig es ist, ausreichend Zeit zum Diskutieren und für den Erfahrungsaustausch einzuplanen. Das kam anfangs teilweise etwas zu kurz. Seit 2014 haben wir daher für die einzelnen Veranstaltungen mehr Zeit eingeplant.“

Entscheidend für die Entwicklung des Akademie-Angebotes war von Anfang an das Teilnehmer-Feedback. Bis heute endet jede Schulung mit einer Bewertung durch die Teilnehmer. Hier haben sie auch die Möglichkeit, Themen für zukünftige Veranstaltungen vorzuschlagen. „Ich war überrascht über die sehr speziellen Themenwünsche der Teilnehmer.“, so Kirchner. „Wir hatten bei der Konzeption der Veranstaltungen zunächst versucht, einen möglichst breiten Themenbereich zu berücksichtigen und nur vereinzelt Spezialthemen zu behandeln. Das erschien uns wichtig, weil unsere Kolleginnen und Kollegen in so vielen unterschiedlich strukturierten Einrichtungen tätig sind. Inzwischen wissen wir, dass die Bearbeitung speziellerer Themen, insbesondere aus dem Bereich Psychologie, als interessanter empfunden wird.“

Tatsächlich wurden die entwicklungspsychologischen Seminare von den Teilnehmern besonders gut bewertet und auffallend häufig auf die Wunschliste künftiger Veranstaltungen gesetzt. „Dabei war es für uns eine besonders große Herausforderung, gerade für diesen Bereich Referenten zu finden, die in der Lage sind, in der relativ kurzen Zeit des Seminars das Vertrauen der Teilnehmer zu gewinnen und so auch inhaltlich einen interessanten Erfahrungsaustausch zu ermöglichen“, erinnert sich Extra-Geschäftsführer Christoph Sembritzki. „Ich bin sehr glücklich, dass wir mit Franka Metzner und Franziska Bomba zwei hervorragende Psychologinnen für unsere Akademie begeistern konnten, die stets gemeinsam als Referentinnen in den Schulungen zur Verfügung stehen und auf diese Art ein hohes Maß an Interaktion mit der Teilnehmergruppe ermöglichen.“

Der so entstehende Workshop-Charakter ist auch für die Referentinnen selbst eine Bereicherung ihrer Arbeit. „Insgesamt gefällt uns das Konzept der Extra Akademie ausgesprochen gut“, meint Franka Metzner. „Wir konnten unsere Erfahrungen mit den bisherigen Veranstaltungen sehr intensiv mit den Verantwortlichen im Extra Team Kita besprechen und freuen uns, dass viele von unseren Ideen für zukünftige Veranstaltungen bereits von den Teilnehmern auf den Feedbackbogen vorweggenommen worden sind.“ Besonders gefreut hat sich Franziska Bomba darüber, dass einige Teilnehmer gleich zu mehreren Veranstaltungen gekommen sind. „Wir haben nicht erwartet, dass wir die Möglichkeit bekommen, Teilnehmer über mehrere Seminare besser kennenlernen zu können. Gerade von diesen ‚erfahrenen‘ Teilnehmern kommen sehr viele wertvolle Beiträge. Das macht es uns als Referentinnen auch leichter, den Stoff lebendig zu vermitteln.“

Im ernährungswissenschaftlichen Bereich konnte die Extra Akademie inzwischen mit der Dipl.-Ökotrophologin Anette Frisch eine weitere renommierte Referentin gewinnen. Anette Frisch hat auch das erste Seminar der Extra Akademie in Berlin durchgeführt. Hier konnte sie die Teilnehmer besonders beeindrucken, indem sie den relativen Fettgehalt von Lebensmitteln anhand kleiner Würfel verpackter Butter darstellte. Einen wichtigen Anteil am erfolgreichen Start der Extra Akademie hatte die Entscheidung, die Hamburger Veranstaltungen in den Seminarräumen der SOAL in Hamburg-Altona durchzuführen. Hier stehen moderne Präsentationsgeräte zur Verfügung und die ruhige Umgebung bietet die Möglichkeit sich ganz auf den Seminarinhalt zu konzentrieren.

„Es war eine hervorragende Entscheidung, die Extra Akademie zu gründen“, ist Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay überzeugt. „Ich bin sicher, dass auch unsere neuen Themen gut angenommen werden, denn sie beruhen maßgeblich auf den Ideen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

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Top-Thema der Extra Akademie: Resilienzfaktoren
Die beliebtesten Kurse waren 2013 die im Rahmen der entwicklungspsychologischen Reihe angebotenen Veranstaltungen zu Resilienz- bzw. Schutzfaktoren. Zu Beginn dieser Veranstaltungen wurde ein kurzer Ausschnitt aus einem Dokumentarfilm gezeigt. Er schildert den Alltag eines fünfjährigen Jungen, der zusammen mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester bei seiner überforderten Mutter aufwächst. Obwohl selber noch ein Kind übernimmt der Junge klaglos die Verantwortung für seine Schwester. Selbstvertrauen erhält er bei den Erziehern seiner Nachmittagsbetreuung. In den sich an den Filmausschnitt anschließenden Diskussionen konnten die Teilnehmer dann die weiteren Bereiche und Situationen herausarbeiten, die als Schutzfaktor dienen können.

Bilder:
Dipl.-Psych. Franka Metzner zum Thema Entwicklungspsychologie
Kolleginnen im Praxisteil der ersten ernährungswissenschaftlichen Fortbildung
Tessa Dittmer (l.) und Katharina Kirchner vor dem Gebäude der Hamburger „Soal“

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Zwei Jahre Extra Akademie: Von Resilienzfaktoren und Butterwürfeln

In unserer Kita essen alle aus einem Topf

In unserer Kita essen alle aus einem Tipf

Jörg Lemke ist Restaurantbetreiber und Caterer aus Hamburg-Poppenbüttel. Vor allem aber ist er selbst Vater und damit täglich mit Fragen des Kita-Essens konfrontiert. Mit ihm sprach Extra Update Kita darüber, wie das Essen in Kindertagesstätten zum gesunden und abwechslungsreichen Gemeinschaftserlebnis werden kann.

Extra Update Kita: Jörg, Du betreibst in Hamburg Poppenbüttel ein erfolgreiches Restaurant sowie einen Partyservice, mit dem Du auch große Gartenfeiern und Hochzeiten ausrichtest. Wie bist Du da auf die Idee gekommen, jeden Tag für Dutzende von Kindern zu kochen?
Jörg Lemke: Da ich selber einen Sohn habe, der im Kindergarten ist, weiß ich, wie wichtig es Eltern ist, wenn Ihre Kinder auch während der Tagesbetreuung mit gesunden und ökologischen Speisen versorgt werden. Leider ist es aber oft so, dass die Speisen in den „klassischen“ Metallbehältern und in Thermoboxen angeliefert werden. Außerdem werden sie häufig unnötig lange bei viel zu hohen Temperaturen heiß gehalten, sodass die meisten Vitamine verloren gehen. Von der optischen Qualität mal ganz abgesehen. Dazu kommt, dass für mich als Koch Essen eine der wichtigsten und schönsten Dinge überhaupt ist. Ich finde es schade, wenn Kinder das tägliche Essen nicht mehr als soziales Ereignis, bei dem alle zusammenkommen und gemeinsam essen, erleben.

Und wie hast Du dann die Chance bekommen, Deine Idee umzusetzen?
Als wir die Möglichkeit bekamen, für die Kita „Heilig Kreuz“ in Volksdorf die Verpflegung der Kinder zu übernehmen, wollten wir das unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien auch umsetzen. Als erstes mussten wir nach einer Alternative zu den Thermoboxen Ausschau halten, die wir im Bereich des Partyservices auch fanden. So konnten wir auch gleich noch einen weiteren wichtigen Punkt abdecken: unsere Speisen werden in Wärmepfannen mit Glasdeckeln geliefert, die einfach an die normalen Steckdosen angeschlossen werden. Die Erzieher können so auf den ersten Blick sehen, welche Speise in welcher Pfanne enthalten ist. Vor allem aber wird das Essen schonender zubereitet und nur für den tatsächlich benötigten Zeitraum erhitzt bzw. warm gehalten. Der entscheidende Punkt aber, den wir mit dieser Variante ins Spiel bringen, ist: Wir haben dadurch die Möglichkeit, für jede einzelne Kita-Gruppe separate Pfannen anzurichten. Somit können die Pfannen auch einzeln auf die Tische gestellt werden und es entsteht in der Kita-Gruppe das Gefühl „alle essen aus einem Topf“ – und das macht Essen dann letztlich zu dem sozialen Erlebnis, das es meiner Meinung nach sein sollte.

Wer bestimmt, was es in der Kita zu Essen gibt? Kann die Kita ihr Menu auch selbst auswählen?
Es haben sich zwei Möglichkeiten für uns eröffnet, um die Auswahl der jeweiligen Speisen für die Kitas zu vereinfachen. Zum eine können die Kitas drei Wochen im Voraus von uns gestaltete Speisepläne erhalten – dabei achten wir selbstverständlich auf Abwechslung und Ausgewogenheit.  Oder aber die Kitas schreiben uns Ihre Wünsche auf und wir setzen diese um. Auf Nachfrage machen wir natürlich gerne Vorschläge oder geben Tipps, wie zum Beispiel Allergien und Religionszugehörigkeiten der Kinder bei der Gestaltung des Speiseplans berücksichtigt werden können.

Wo bekommt Ihr die Zutaten für Euer Essen her? Gibt es speziell für das Kita-Essen eigene Zulieferer?
Durch den Partyservice haben wir immer gute Kontakte zu Lieferanten aus der Region und können so für Qualität garantieren und unnötige Transportwege vermeiden. Natürlich bieten wir auch eine komplette Bio-Variante für die Verpflegung der Kinder an.

Übernehmt Ihr für die Kita den kompletten Essensservice? Wie sieht es mit der Reinigung der Pfannen aus?
Zu unserer Leistung gehört die Lieferung und die Zubereitung der Speisen und der Nachspeisen, die Versorgung mit frischem Obst über die ganze Woche, die Bereitstellung des Warmhalte- und Vorlegegeschirrs und die Abholung des Leihmaterials und der Speisereste. Da wir alle Gerätschaften in unserer Küche gründlich reinigen, bevor wir sie wieder verwenden, müssen diese auch nicht in der Kita abgewaschen werden.

Jörg, wir danken Dir für das Gespräch!

Bild: Wärmepfannen mit Glasdeckel im Kita-Alltag fördern das soziale Erlebnis des gemeinsamen Essens

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In unserer Kita essen alle aus einem Topf