Im Moment arbeite ich in einer Traumeinrichtung

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Cornelia Lübke (rechts im Bild) traf sich in Dresden mit Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay (l.) zu einem Gespräch über ihre beruflichen Erfahrungen als Erzieherin in Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Und auch darüber, wie sie sich ihre perfekte Kita vorstellt.

Sebastian Lazay: Frau Lübke, Sie verlassen in Kürze unser Team, weil Sie in eine Kundeneinrichtung wechseln. Auch wenn wir sicher in Kontakt bleiben werden, lassen Sie uns zu diesem Anlass doch einmal über Ihre Erfahrungen in der Kita-Arbeit reden. Ich habe gehört, dass Sie lange Zeit außerhalb Sachsens tätig waren.

Cornelia Lübke: Ja, ich habe in Nordrhein-Westfalen studiert und lange dort gearbeitet. Sowohl die Ausbildung als auch die Einrichtungen dort waren hervorragend. Mein Weg hat mich trotzdem von Bonn zurück nach Dresden geführt, zum Wohnort meiner Eltern.
 
Wie haben Sie den beruflichen Wechsel empfunden? Gab es da große Unterschiede?

Ich bin da zunächst einmal theoretisch rangegangen. Der sächsische Bildungsplan erschien mir sehr hoch aufgegangen und ich fragte mich natürlich, wie das in der Realität abläuft. Das trägerübergreifende Jobangebot von Extra war deshalb ideal für mich. So konnte ich praktisch entdecken, wie verschiedene Einrichtungen in Sachsen wirklich arbeiten. Ich wollte da nicht gleich so fest gefangen sein, sondern mich beruflich eher eine Weile orientieren. Dieser Plan ist auch aufgegangen. In der Praxis habe ich gemerkt, dass vor allem das offene Konzept in NRW schon viel länger praktiziert worden war und in Sachsen tatsächlich noch mehr Gruppenaufteilungen praktiziert werden. 
 
War es leicht, sich auf wechselnde Einrichtungen einzustellen?

Bei meiner ersten Stelle wurde ich noch nicht so gut aufgenommen. Mir schien das so, als nähme man mich gar nicht wirklich wahr. Dann wurde mir klar, was das Problem war. Viele Kolleginnen waren nämlich ganz erstaunt, als ich zeigen konnte, wer ich wirklich war. Sie hatten eine unvermittelbare Kandidatin der Arbeitsagentur erwartet und keine erfahrene Fachkraft. Ich musste daher meine Qualifikation erst einmal unter Beweis stellen. Das ist dann aber auch geglückt. 
 
Es tut mir leid, das Ihr Start so holprig war.

Ach, das war schnell überwunden. Und in meiner jetzigen Einrichtung ist das sowieso ganz anders. Die Einrichtungsleitung ist vom Extra Team Kita überzeugt. Das ist die Grundlage für eine hervorragende Zusammenarbeit. Ich wurde dort aufgrund meiner Erfahrung auch bewusst ausgewählt. 
 
Haben Sie in der pädagogischen Arbeit Unterschiede zwischen NRW und Sachsen kennengelernt?

Mein Eindruck ist im Moment, dass die offene Arbeit in Sachsen eher noch ein Zukunftsthema ist. Da herrscht noch viel Angst vor der Veränderung. Ganz im Sinne von ‚Wir machen die Türen auf und alles ist erlaubt‘. Genau das ist es ja aber nicht. Nur werden eben Absprachen wichtiger. Kommunikation ist gefragt. Bei der offenen Arbeit ist alles im Flow. Es gibt keinen Bestimmer mehr. Gerade für Kolleginnen, die bisher etwas anderes gewohnt waren, ist eine Umstellung auf diese Arbeit sicher nicht leicht. Aber ich finde, es lohnt sich.

In NRW habe ich viele Eltern kennengelernt, die aus den neuen Bundesländern stammten. Ich hatte bei ihnen den Eindruck, dass sie sehr klare Vorstellungen davon hatten, bis wann welcher Entwicklungsschritt bei ihren Kindern vollzogen sein muss. Und diese – in nenne sie mal – ‚formale‘ Vorstellung habe ich dann später auch bei den Erzieherinnen in den Einrichtungen angetroffen. Man denkt hier eher in festen Abläufen. In NRW waren wir mehr daran gewöhnt, die Kinder einzubeziehen und zu begleiten. Ich habe in Dresden einmal den Satz gehört „Ein Junge zieht doch kein rosa T-Shirt an“. Das wäre in NRW undenkbar gewesen. Ich möchte das gar nicht werten, es ist nur einfach ein anderes Arbeiten. 
 
In Ihrer jetzigen Einrichtung müssten Sie ein eher heterogenes Team erleben. Stimmt das?
 
Das ist richtig. Ich selbst bin im Moment in einem sehr offenen Team innerhalb einer facettenreichen Einrichtung. Wir haben einen situationsorientierten Ansatz und werden von den Kolleginnen neugierig beobachtet, die ihre Arbeit eher etwas konventioneller strukturieren. Für mich ist das im Moment aber eine absolute Traumeinrichtung. Von der Architektur des Hauses bis zu den tollen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Nach einer Weile wurde ich dort angesprochen, ob ich nicht direkt dort arbeiten möchte. Ich mache das jetzt sehr gerne. In der heutigen Konstellation mit der jetzigen Leitung werde ich mich dort sehr wohlfühlen. 
 
Und wir werden Sie schmerzlich in unserem Team vermissen.
 
Mir hilft es aber auch wirklich zu wissen, dass ich wieder ins Extra Team Kita zurückkommen kann. Es ist also jetzt ein Versuch für mich und ich weiss gar nicht, ob der Wechsel vielleicht zu früh erfolgt. Aber Kinder und Eltern sind toll. Ich habe lange darüber nachgedacht, denn natürlich verliere ich auch diesen Rückhalt durch das Extra Team Kita in Dresden. Die wechselnden Einrichtungen haben mir viel gebracht. Eigentlich hatte ich bei Extra nur Vorteile. Ich konnte mir viel ersparen, was mich inhaltlich nicht weitergebracht hat. Ich konnte mir meine Urlaube so einteilen, wie ich das brauchte und hatte mit dem ganzen „Trallala“ nichts zu tun. Ich ging einfach in die Einrichtung und tat das, was ich am liebsten mache – mit Kindern arbeiten. 

Kann man sagen, dass Sie Ihre Arbeit im Extra Team Kita als leichter als in einer herkömmlichen Beschäftigungsform empfunden haben?
 
Vielleicht eher freier als leichter. Man macht die Arbeit so gut wie möglich und wenn einen die Einrichtung nicht mehr braucht, dann kommt eben etwas Anderes. Wissen Sie, ich war früher sehr lange an meinen Arbeitsstellen. Heute, nach all den Erfahrungen, muss ich sagen: ich brauche keine Führungsposition mehr. Das ist nicht nah genug am Kind. Außerdem reizt es mich, regelmäßig einen neuen Input zu bekommen. Und ich möchte auch mit Kollegen zusammenarbeiten, die genauso denken.

Sie haben in Ihrer Laufbahn nicht nur verschiedene Bundesländer kennengelernt, sondern auch verschiedene Träger. Jetzt wechseln Sie in eine kirchliche Einrichtung. Wie empfinden Sie das im beruflichen Alltag?


Das ist eine sehr entspannte Atmosphäre. Mit den Kleinsten beten wir beispielsweise nicht. Wir transportieren Werte durch gemeinsame Feiern und Aktivitäten. Wir arbeiten dabei nach dem Jahreskreis. Gerade in kirchlichen Einrichtungen empfinde ich eine hohe Dankbarkeit gegenüber mir als Beschäftigter und auch gegenüber dem Extra Team Kita. Das ist auf allen Ebenen ein sehr kollegiales Verhältnis. 
 
Sie haben gesagt, Ihre aktuelle Kita sei im Moment eine Traumeinrichtung. Ist das schon der perfekte Arbeitsplatz für Sie als Erzieherin? 

Sie kommt dem Ideal auf jeden Fall nahe. Aber Sie sprechen da etwas Größeres an. Ich kenne viele Erzieher, die eine Vision haben. Eltern wollen ihre Kinder nicht einfach irgendwem überlassen. Sie wollen das Gefühl haben, dass ihre Kinder richtig gut betreut sind. Das geht nur mit Erziehern, die wirklich Lust auf ihre Arbeit haben. Dafür müssen sie gefragt und in ihrer eigenen Entwicklung gefördert werden. Die Eltern sind dann nicht Gegner, wie das manchmal leider der Fall ist, sondern Partner, die in ihren Wünschen ernst genommen werden müssen. Dazu gehört dann auch eine gewisse Dienstleistungsmentalität. Denn es geht eben auch um ganz praktische Fragen wie zum Beispiel Öffnungszeiten – übrigens auch an Samstagen und vielleicht sogar bis hin zur 24-Stunden-Kita. Ist es denn schlimm, wenn Eltern mal am Samstag ohne ihre Kinder einkaufen gehen möchten oder einmal einen Abend allein gestalten können?

Konzeptionell würde ich aus allen pädagogischen Konzepten, Modellen und Trägerschaften das Beste heraussuchen. Die Leute müssen zum Konzept passen und alle Regeln müssen altersgerecht sein. Ein Einjähriger kann zum Beispiel noch nicht selbst entscheiden, ob er essen möchte, oder nicht. Aber das wichtigste ist, die Eltern als Partner anzusehen und jedes Kind als Individuum. Ich kann nicht jedem Kind meine Konzeption überstülpen.

Glauben Sie, Ihre Haltung auf einen einzigen Satz verdichten zu können?

Ja, es ist ein Plädoyer für die freie Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern – miteinander über konzeptionelle Grenzen hinweg und unter intensiver Einbeziehung der Eltern. 
 
Frau Lübke, herzlichen Dank für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe und die Unterstützung von Träger, Leitungskräften und Kollegen. 

 

Bild: Cornelia Lübke (r.) im Gespräch mit Sebastian Lazay

 

Im Moment arbeite ich in einer Traumeinrichtung

Warum ist ein Mensch so wie er ist?

Version 2

In Berlin-Charlottenburg trafen sich Miriam Grube, Johanna Gehrke und Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay zu einem Gespräch über die psychologischen Fortbildungsveranstaltungen der Extra Akademie in Berlin. 

Dipl.-Psych. Miriam Grube studierte in Gießen Psychologie mit Nebenfach Medizin und absolvierte anschließend in Berlin eine Weiterbildung in Verhaltenstherapie für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Parallel dazu arbeitete sie in einer Kriseneinrichtung für Kinder- und Jugendliche sowie in der Psychiatrie und ist aktuell in einer Gemeinschaftspraxis (Institut für Psychotherapie und Familie) tätig. Dipl.-Psych. Johanna Gehrke sammelte nach dem Studium in Hamburg und Berlin Berufserfahrung in der Kinderpsychiatrie, absolvierte eine Weiterbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie für Kinder und Erwachsene, verfügt über Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen und in der psychologischen Online-Beratung.

Ihnen beiden gemeinsam ist ein Schwerpunkt in der ambulanten Psychotherapie und natürlich ihr Engagement als Referentinnen an der Extra Akademie.

Sebastian Lazay: Frau Gehrke, Frau Grube, vielen Dank für die heutige Runde hier in unserem Berliner Büro. Die Fortbildungsveranstaltungen der Extra Akademie laufen immer ganz ruhig und kontinuierlich im Hintergrund. Heute wollen wir das einmal ändern und diese Arbeit in den Fokus nehmen. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich aktuell?

Johanna Gehrke: Wir haben in Berlin einige Fortbildungsthemen von unseren Kolleginnen Franziska Bomba und Franka Metzner aus Hamburg übernommen. Dabei war und ist das Thema „Resilienz“ von besonderer Bedeutung. Aktuell läuft es unter der Überschrift „Innere Schätze heben“. Wir haben nun geplant, es in zwei Teile aufzuteilen, also in Grundlagen der Resilienz und die Vorbereitung der praktischen Umsetzung. Insgesamt bieten wir ab diesem Jahr zehn verschiedene Veranstaltungen an. Neu dazu gekommen sind zum Beispiel Stressbewältigung durch Achtsamkeit und Selbstfürsorge in zwei getrennten Veranstaltungen.

Neben pädagogischen Themen rund um die Förderung von Kindern und Jugendlichen geht es also auch um die Kolleginnen und Kollegen selbst?

Miriam Grube: Das ist richtig. Bei allen Themen ist uns sehr wichtig, dass die Teilnehmenden die Inhalte selbst erfahren. Praktische Übungen sind wichtig, um das Gelernte auch wirklich umsetzen zu können. Entweder mit den Kindern, oder mit sich selbst. Tatsächlich geht es um noch mehr als die Auffrischung oder Vertiefung von Wissen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmenden sich gerne selbst in die Fortbildungen einbringen. Sie berichten von Erfahrungen, von positiven wie negativen Erlebnissen. Auch Stress gehört beispielsweise dazu und damit die Frage, wie der Einzelne damit umgehen kann. So kommt man dann immer wieder zu neuen Fragestellungen. Zum Beispiel zu Entspannungsmethoden. Hier geht es in ersten Übungen oft zunächst nur um das Wahrnehmen ohne zu bewerten. Darauf aufbauend kann man zum Beispiel mit der 30-Sekunden-Methode wirksame Wege für den Umgang mit Stress im Alltag aufzeigen.

Johanna Gehrke: Im letzten Jahr haben wir das kultursensible Arbeiten als neues Thema aufgenommen. Dabei haben wir einen Schwerpunkt auf den Umgang mit traumatisierenden Erfahrungen gelegt. Denken Sie dabei zum Beispiel an Angst vor Feuer, vor Geräuschen oder scheinbar unkritischen Gegenständen wie einer Klebepistole. Es gibt da viele Beispiele. Für uns erscheint es immer selbstverständlich, dass auch Andere die Welt so sehen wie wir. Doch das ist nicht so. Es hilft, wenn wir lernen, den Blick zu öffnen und diese Haltung in Frage zu stellen.

Das klingt nach einem sehr grundsätzlichen interkulturellen Austausch.

Miriam Grube: Ja – und der hat auch richtig Spaß gemacht. Wir haben nämlich auch einmal nach Vorurteilen gegenüber Deutschen gefragt. Teilnehmende mit ausländischem Hintergrund brachten ihre Sicht der Dinge ein und diskutierten das mit den Deutschen. Aus italienischer Sicht fiel zum Beispiel auf, wie stark das Leben in Deutschland nach festen Regeln abläuft. Der einzelne inhaltliche Aspekt war für uns aber gar nicht entscheidend, sondern vielmehr die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen, Einstellungen oder Kulturen. Diesen Austausch in der Gruppe fördern wir in unseren Veranstaltungen sehr, auch im Rahmen von Kleingruppenarbeit. Wir können hier einen sehr offenen und praktischen Dialog beobachten, sogar bei sehr schwierigen Themen wie zum Beispiel Mobbing.

Johanna Gehrke: Wir profitieren hier in Berlin sehr vom Engagement der Teilnehmenden. Sie bringen ganz viel praktische Erfahrung mit, sowohl positiv als auch negativ. Für unsere Veranstaltungen ist das sehr bereichernd. Und der Erfolg gibt uns recht. Die Schulungen sind gut nachgefragt und sehr positiv bewertet.

Miriam Grube: Dabei haben wir es in Berlin mit einer sehr heterogenen Gruppe zu tun. Von Menschen mit abgeschlossenem pädagogischen Studium bis zum Quereinsteiger ohne Ausbildung ist jeder dabei. Das ist eine Berliner Besonderheit. Das Team harmoniert in seiner Gemeinschaft sehr gut. Das ist im positiven Sinne wirklich besonders bemerkenswert.

Tatsächlich beschäftigen wir in Berlin teilweise auch Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung. Das ist sonst in unserem Hause nicht möglich. Dabei achten wir jedoch auf eine gute Eignung für eine Arbeit in Kitas. Eine Vorerfahrung als Tagesmutter kann zum Beispiel eine solche Eignung nahelegen. Wie stehen Sie zu dieser Frage?

Johanna Gehrke: Es kommt auf die praktische Tätigkeit im Alltag an. Wenn ein gutes inhaltliches Konzept in einer Einrichtung gelebt wird, können auch Menschen ohne abgeschlossene pädagogische Ausbildung eine wertvolle Unterstützung sein. Neben einer guten Anleitung im Arbeitsalltag können letztlich auch unsere Seminare dazu beitragen, dass ein Austausch mit erfahren und gut ausgebildeten Pädagogen zustande kommt, und auch Beschäftigte ohne Ausbildung theoretisches und praktisches Wissen sammeln können.

Wenn Sie einige Jahre zurückblicken – was hat Sie eigentlich selbst bewogen, sich mit der Psychologie so intensiv zu beschäftigen, dass Sie sie zu Ihrem Beruf gemacht haben? Und ist dieser Beruf nicht manchmal auch schwer zu ertragen?

Miriam Grube: Ich wollte immer wissen ‚Warum ist ein Mensch so wie er ist?‘ Das hat mich schon in meiner Kindheit interessiert. Dieses Ziel habe ich verfolgt.

Johanna Gehrke: Unsere Arbeit ist weniger schwer, als viele Menschen das denken. Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten, mit ihnen in Kontakt zu stehen, ist ganz wunderbar. Kinder drücken sich oft im Spiel und über Symbole aus. Das macht die Arbeit noch lebendiger. Es ist ein sehr schöner, helfender Beruf, der mir eher Energie gibt, als nimmt. Es geht dabei aber schon immer wieder um die Frage der Balance zwischen „berührbar bleiben“ und „professionelle Distanz wahren“. Anders gesagt: es zählt das Mitgefühl, nicht das Mitleid.

Miriam Grube: Wir behandeln in der Psychologie das gesamte System. Gerade bei Kindern also auch die Verbindung zu den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir können hier sehr viel bewegen. Auch, indem wir mit Erziehern zusammenarbeiten. In der Arbeit mit Kindern ist ganz viel möglich, der Weg ist noch nicht vorbestimmt.

Ist es so, dass Sie dank Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Ausbildung und Ihrer Erfahrung zu jedem Menschen einen echten Kontakt herstellen können? Oder geraten auch Sie an Grenzen?

Miriam Grube: Dass etwas wirklich nicht passt, kommt tatsächlich nur sehr selten vor. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich als junge Therapeutin mit einem älteren Herrn zu tun hatte. Dabei fiel es ihm schwer, sich auf meine Ratschläge und Hilfestellungen einzulassen. Aber diese Schwierigkeiten, die sich in der therapeutischen Beziehung manchmal auftun, erleben die Patienten zumeist auch in Beziehungen außerhalb der Therapie und können dann auch eine Chance sein, wenn man im therapeutischen Kontext darüber redet. Auf jeden Fall ist es richtig, dass die Beziehung zwischen Patient und Therapeut der größte Wirkfaktor ist.

Johanna Gehrke: Teil unserer Ausbildung ist auch die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte. Das hilft dabei, eigene Themen außen vor zu lassen und sich ganz auf das jeweilige Gegenüber einzustellen. Mir ist es bisher gelungen, in jedem Menschen einen Teil zu entdecken, den ich mag. Auch dann, wenn ich zum Beispiel mit vielen Ansichten nicht übereinstimme.

Vielen Dank für diese Einblicke in Ihre Aufgabenfelder. Ich wünsche uns allen weiterhin eine gute Zusammenarbeit!

Bild: Sebastian Lazay mit Johanna Gehrke (Mitte) und Miriam Grube (rechts)

Aktuelle Jobs im Extra Team Kita | Kontakt

Warum ist ein Mensch so wie er ist?

„Für mich war das der perfekte Berufseinstieg“

Extra Kita Blog Frau Kelmetr

Als Nadezda Kelmetr ihre Ausbildung als Sozialpädagogische Assistentin abgeschlossen hatte, fiel sie erst einmal in ein richtiges Loch. Bewerbung für Bewerbung kam zurück, meist ohne Begründung. Und wenn sie doch einmal etwas mehr erfuhr, dann hörte sie, dass sie keine Berufserfahrung vorzuweisen hätte. Doch wie konnte sie diese Erfahrung sammeln, wenn keiner ihr eine Chance gab?

Dann stieß sie auf das Extra Team Kita. Nur wenige Tage später startete sie in ihren ersten Einsatz. In einer Hamburger Kita vertrat sie zunächst vorübergehend eine ausgefallene Kollegin. Das war ihr beruflicher Durchbruch. Jetzt konnte sie zeigen, was in ihr steckte. Nach nur drei Monaten entschied sie sich, direkt in ihren Einsatzbetrieb zu wechseln. Dort ist sie noch heute beschäftigt und froh über den doch noch geglückten Start ins Arbeitsleben. „Ich halte gerne den Kontakt zum Extra Team Kita aufrecht,“ sagt Nadezda Kelmetr (Bild rechts) heute, „denn für mich war das der perfekte Berufseinstieg.“

So wie ihr geht es vielen BerufseinsteigerInnen. Doch was ist der Unterschied einer Beschäftigung im Extra Team Kita gegenüber dem direkten Start in einer Einrichtung? Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Arbeitsverhältnis werden die Kolleginnen und Kollegen im Extra Team Kita in immer wieder anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendpflege eingesetzt. Ihr Arbeitsvertrag mit dem Extra Team Kita ändert sich dadurch aber nicht. Durch die unterschiedlichen Konzepte und Teams in den Einrichtungen sammelt man schnell viel wertvolle Berufserfahrung.

Alles andere als Alltag

Der Arbeitsalltag ist dabei alles andere als alltäglich. Als SpringerIn in einer Kita den geplanten Ausflug zu retten, der wegen einer erkrankten Kollegin zu scheitern drohte oder die vorübergehende Schließung einer Kita zu verhindern, weil der Personalschlüssel keine Eröffnung mehr erlaubt hätte, sind besondere und doch alltägliche Situationen.

So turbulent geht es freilich nicht immer zu. Wer möchte, kann auch langfristig in einer einzigen Einrichtung eingesetzt werden. Natürlich ist es auch im Extra Team Kita nicht immer möglich, alle Wünsche von Beschäftigten nach Arbeitszeit-, -aufgabe und -ort zu erfüllen, denn schließlich ist das oberste Ziel immer, die pädagogische Arbeit in den Einrichtungen zu unterstützen. „Aber wir schaffen es schon, sehr viele stärker als andere auf die Anforderungen unserer Beschäftigten einzugehen,“ betont Tessa Dittmer (Bild links) vom Hamburger Extra Team Kita. „Für viele Beschäftigte ist das ein ganz wichtiges Argument. Wir erreichen hier ein Maß an Mitbestimmung im Arbeitsalltag, das Viele so nicht erwarten würden.“ Oft geht es hier um persönliche Vorlieben im Arbeitsalltag wie zum Beispiel die Arbeit im Elementarbereich, oder auch um die Frage, bei welchem Träger man besonders gerne oder auch gerade lieber nicht arbeiten möchte.

Doch was ist, wenn Einrichtung und MitarbeiterIn einfach nicht zu einander passen wollen? „Solche Probleme bekommen wir leicht in den Griff,“ berichtet Tessa Dittmer. „Es kann schon vorkommen, dass Beschäftigte und Einrichtungen nicht immer glücklich mit einander sind. In der nächsten Einrichtung sind dieselben Beschäftigten aber oftmals ganz schnell gar nicht mehr wegzudenken! Diese Abstimmung hinzubekommen ist ja genau unsere Aufgabe. Das nehmen wir sehr ernst!“

Trotz des Wechsels zwischen unterschiedlichen Einrichtungen bleibt der in der Regel unbefristete Arbeitsvertrag immer bestehen. Job-Tickets sowie die Kostenübernahme für Führungszeugnisse und arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen runden das Paket konstant guter Arbeitsbedingungen ab. Und gemeinsame Veranstaltungen wie Weihnachts- oder Sommerfeste sind schöne Gelegenheiten zum Austausch mit den KollegInnen.

Schulungsangebot der Extra Akademie wächst

Nicht mehr wegzudenken ist inzwischen auch das umfangreiche Angebot der Extra Akademie für pädagogische MitarbeiterInnen. Was mit ernährungswissenschaftlichen Schulungen begonnen hatte, ist heute ein breites Angebot geworden, in dem auch die Bereiche Organisation und Recht sowie (Entwicklungs-) Psychologie fest verankert sind. Vertiefende Workshops zu Themen wie „Resilienz“, „Bindung“ und „Konflikte“ gehören genauso zum Angebot der Akademie wie etwa „Diversity in der Kita“, „Sexuelle Gewalt“ oder auch „Erste Hilfe am Kind“.

Mitglied der Extra-Familie werden und bleiben

Wer nach einer Weile mit wechselnden Einsätzen im Extra Team Kita seine „perfekte“ Einrichtung gefunden hat, der wechselt wie Nadezda Kelmetr oft direkt dort hin. Oft sieht man sich aber später auch einmal wieder, deshalb ist es so schön, in Kontakt zu bleiben. Durch unsere regelmäßig erscheinenden Newsletter und das wachsende Facebook-Angebot ist es auch leichter denn je, den Kontakt zur „Extra-Familie“ aufrecht zu erhalten.

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Nadezda Kelmetr

Aktuelle Jobs im Extra Team Kita | Kontakt

„Für mich war das der perfekte Berufseinstieg“

Haferflockensuppe zum Frühstück

Extra Kita Blog Frau Helgason

Sylvie Helgason strahlt, gerade auch wenn sie von Ihrer Arbeit berichtet. Man spürt, dass sie mit dem Herzen dabei ist. Wir wollten mit ihr über ihre Arbeit in Berliner Kitas reden. Herausgekommen ist ein Gespräch über kulturelle Unterschiede.

Extra Update Kita: Frau Helgason, wenn man Ihren Namen hört, denkt man nicht sofort an Ihre Heimat Mauritius.

Sylvie Helgason: (lacht) Das stimmt. Mein Mann war Isländer. Ich bin mit 21 mit ihm nach Deutschland gekommen. Daher der Name.

In Mauritius ist die Amtssprache englisch, für Sie also eine Selbstverständlichkeit. Ist das eine wichtige Bereicherung bei Ihrer Arbeit in Kitas?

Grundsätzlich schon. Im Kollegenkreis musste ich aber auch einmal die Erfahrung machen, dass es zunächst nicht gut ankam, manchmal englisch zu sprechen. Da ist schnell ein Konflikt entstanden. Nach einer Studienreise aber, während der nur englisch gesprochen wurde, waren meine Sprachkenntnisse plötzlich wertgeschätzt. Für mich ist die Sprache Teil meiner Heimat Mauritius, die mich geprägt hat. In Mauritius spielen viele Kulturen eine Rolle. Durch Freunde mit britischem Hintergrund hatte ich schon in meiner Kindheit und Jugend so viel Kontakt mit dieser Kultur, dass ich noch heute das Frühstück mit Haferflockensuppe verbinde.

Es drängt sich gerade zu auf, dass wir uns noch etwas über kulturelle Unterschiede unterhalten. Sie sind als Mitglied unseres Berliner Teams unterwegs. Wie erleben Sie den Kita-Alltag in dieser Hinsicht?

Kulturelle Herausforderungen gibt es nicht nur in Wedding mit einem höheren Anteil muslimischer Familien. Auch in einem deutsch-französischen Umfeld in Zehlendorf gibt es kulturelle Probleme. Ist nun ein Klaps jetzt in Ordnung oder nicht akzeptabel? Das sehen nicht alle gleich. Doch wir sind natürlich in Deutschland und haben unsere eigenen Wertvorstellungen, die mit denen anderer Kulturen manchmal konkurrieren.

Wie gehen Sie ganz praktisch mit unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Anforderungen um?

Beim Frühstück zum Beispiel kann man weiße Teller für Wurst aus Schweinefleisch verwenden und silberne Teller für Wurst ohne Schweinefleisch. So lassen sich erst einmal Verwechslungen verhindern. Wenn dann ein Kind die Wurst, die es nicht essen möchte oder darf mit „Iiii“ kommentiert, erkläre ich ihm, dass das Essen ist und wir das aus religiöser Sicht vielleicht unterschiedlich betrachten, aber dass wir es doch trotzdem wertschätzen.

Sind diese kulturellen Unterschiede eigentlich eher eine Belastung oder eine Chance im Kita-Alltag?

Ich sehe das als große Chance. Die Welt ist inzwischen ganz bunt geworden. Wir versuchen, die Kinder zu ermuntern, diese Vielfalt zu entdecken. Noch einmal ein Beispiel aus dem gemeinsamen Essen: die Köchin in einer Einrichtung hatte einmal Rucola auf der Pizza vergessen und wollte ihren Fehler korrigieren. Eine Kollegin wehrte dann ab, weil sie der Meinung war, man sollte den lieber weglassen, die Kinder würden ihn nicht mögen. Ich habe den Kindern dann erzählt, wie gut Rucola schmeckt und wie gesund er ist. Da erwachte die Neugier der Kinder und plötzlich wollten alle probieren. Diese kleine Geschichte ist einfach ein Beispiel dafür, wie wir zur Akzeptanz kultureller Vielfalt erziehen können, statt Vorurteile zu stärken.

Welche Rolle der Islam in Deutschland spielen soll oder darf wird vielfach intensiv diskutiert. Erleben Sie hier Konflikte in den Einrichtungen?

Für mich ist das eher eine sehr positive Erfahrung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: in einer Einrichtung, für die ich arbeite, nehmen wir jeden Donnerstag auch die muslimischen Kinder in den christlichen Gottesdienst in der Kirche mit. Das ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, die muslimischen Kinder sind ganz aufmerksam dabei und auch die Eltern machen alle mit. Das betrifft nicht nur den Gottesdienst, auch beim Laternenfest sind die muslimischen Familien genauso mit dabei wie die christlichen. Die muslimischen Eltern gehen zwar mit ihren Kindern auch in die Moschee, aber sie sind ganz offen, sich auch mit der christlichen Kultur auseinanderzusetzen und sich zu integrieren.

Nachdem Sie selbst verschiedene Länder und Kulturen kennengelernt haben, werden Sie in Deutschland bleiben?

Als ich nach Deutschland kam, bekam ich die Chance als Tagesmutter zu arbeiten, was ich sehr gerne tat. Das war mein beruflicher Einstieg. Damals hatte ich einen roten Stempel im Pass, auf dem stand „Arbeitserlaubnis nur als Tagesmutter“. Es war ein langer Weg für mich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, deshalb helfe ich heute auch anderen Menschen, die sich als Ausländer in Deutschland schwertun. Ich selbst bin sehr gerne in Deutschland. Mein Ziel ist es aber, später wieder nach Mauritius zurückzukehren.

Bild: Frau Sylvie Helgason

Aktuelle Jobs im Extra Team Kita | Kontakt

Haferflockensuppe zum Frühstück