Im Moment arbeite ich in einer Traumeinrichtung

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Cornelia Lübke (rechts im Bild) traf sich in Dresden mit Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay (l.) zu einem Gespräch über ihre beruflichen Erfahrungen als Erzieherin in Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Und auch darüber, wie sie sich ihre perfekte Kita vorstellt.

Sebastian Lazay: Frau Lübke, Sie verlassen in Kürze unser Team, weil Sie in eine Kundeneinrichtung wechseln. Auch wenn wir sicher in Kontakt bleiben werden, lassen Sie uns zu diesem Anlass doch einmal über Ihre Erfahrungen in der Kita-Arbeit reden. Ich habe gehört, dass Sie lange Zeit außerhalb Sachsens tätig waren.

Cornelia Lübke: Ja, ich habe in Nordrhein-Westfalen studiert und lange dort gearbeitet. Sowohl die Ausbildung als auch die Einrichtungen dort waren hervorragend. Mein Weg hat mich trotzdem von Bonn zurück nach Dresden geführt, zum Wohnort meiner Eltern.
 
Wie haben Sie den beruflichen Wechsel empfunden? Gab es da große Unterschiede?

Ich bin da zunächst einmal theoretisch rangegangen. Der sächsische Bildungsplan erschien mir sehr hoch aufgegangen und ich fragte mich natürlich, wie das in der Realität abläuft. Das trägerübergreifende Jobangebot von Extra war deshalb ideal für mich. So konnte ich praktisch entdecken, wie verschiedene Einrichtungen in Sachsen wirklich arbeiten. Ich wollte da nicht gleich so fest gefangen sein, sondern mich beruflich eher eine Weile orientieren. Dieser Plan ist auch aufgegangen. In der Praxis habe ich gemerkt, dass vor allem das offene Konzept in NRW schon viel länger praktiziert worden war und in Sachsen tatsächlich noch mehr Gruppenaufteilungen praktiziert werden. 
 
War es leicht, sich auf wechselnde Einrichtungen einzustellen?

Bei meiner ersten Stelle wurde ich noch nicht so gut aufgenommen. Mir schien das so, als nähme man mich gar nicht wirklich wahr. Dann wurde mir klar, was das Problem war. Viele Kolleginnen waren nämlich ganz erstaunt, als ich zeigen konnte, wer ich wirklich war. Sie hatten eine unvermittelbare Kandidatin der Arbeitsagentur erwartet und keine erfahrene Fachkraft. Ich musste daher meine Qualifikation erst einmal unter Beweis stellen. Das ist dann aber auch geglückt. 
 
Es tut mir leid, das Ihr Start so holprig war.

Ach, das war schnell überwunden. Und in meiner jetzigen Einrichtung ist das sowieso ganz anders. Die Einrichtungsleitung ist vom Extra Team Kita überzeugt. Das ist die Grundlage für eine hervorragende Zusammenarbeit. Ich wurde dort aufgrund meiner Erfahrung auch bewusst ausgewählt. 
 
Haben Sie in der pädagogischen Arbeit Unterschiede zwischen NRW und Sachsen kennengelernt?

Mein Eindruck ist im Moment, dass die offene Arbeit in Sachsen eher noch ein Zukunftsthema ist. Da herrscht noch viel Angst vor der Veränderung. Ganz im Sinne von ‚Wir machen die Türen auf und alles ist erlaubt‘. Genau das ist es ja aber nicht. Nur werden eben Absprachen wichtiger. Kommunikation ist gefragt. Bei der offenen Arbeit ist alles im Flow. Es gibt keinen Bestimmer mehr. Gerade für Kolleginnen, die bisher etwas anderes gewohnt waren, ist eine Umstellung auf diese Arbeit sicher nicht leicht. Aber ich finde, es lohnt sich.

In NRW habe ich viele Eltern kennengelernt, die aus den neuen Bundesländern stammten. Ich hatte bei ihnen den Eindruck, dass sie sehr klare Vorstellungen davon hatten, bis wann welcher Entwicklungsschritt bei ihren Kindern vollzogen sein muss. Und diese – in nenne sie mal – ‚formale‘ Vorstellung habe ich dann später auch bei den Erzieherinnen in den Einrichtungen angetroffen. Man denkt hier eher in festen Abläufen. In NRW waren wir mehr daran gewöhnt, die Kinder einzubeziehen und zu begleiten. Ich habe in Dresden einmal den Satz gehört „Ein Junge zieht doch kein rosa T-Shirt an“. Das wäre in NRW undenkbar gewesen. Ich möchte das gar nicht werten, es ist nur einfach ein anderes Arbeiten. 
 
In Ihrer jetzigen Einrichtung müssten Sie ein eher heterogenes Team erleben. Stimmt das?
 
Das ist richtig. Ich selbst bin im Moment in einem sehr offenen Team innerhalb einer facettenreichen Einrichtung. Wir haben einen situationsorientierten Ansatz und werden von den Kolleginnen neugierig beobachtet, die ihre Arbeit eher etwas konventioneller strukturieren. Für mich ist das im Moment aber eine absolute Traumeinrichtung. Von der Architektur des Hauses bis zu den tollen Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten darf. Nach einer Weile wurde ich dort angesprochen, ob ich nicht direkt dort arbeiten möchte. Ich mache das jetzt sehr gerne. In der heutigen Konstellation mit der jetzigen Leitung werde ich mich dort sehr wohlfühlen. 
 
Und wir werden Sie schmerzlich in unserem Team vermissen.
 
Mir hilft es aber auch wirklich zu wissen, dass ich wieder ins Extra Team Kita zurückkommen kann. Es ist also jetzt ein Versuch für mich und ich weiss gar nicht, ob der Wechsel vielleicht zu früh erfolgt. Aber Kinder und Eltern sind toll. Ich habe lange darüber nachgedacht, denn natürlich verliere ich auch diesen Rückhalt durch das Extra Team Kita in Dresden. Die wechselnden Einrichtungen haben mir viel gebracht. Eigentlich hatte ich bei Extra nur Vorteile. Ich konnte mir viel ersparen, was mich inhaltlich nicht weitergebracht hat. Ich konnte mir meine Urlaube so einteilen, wie ich das brauchte und hatte mit dem ganzen „Trallala“ nichts zu tun. Ich ging einfach in die Einrichtung und tat das, was ich am liebsten mache – mit Kindern arbeiten. 

Kann man sagen, dass Sie Ihre Arbeit im Extra Team Kita als leichter als in einer herkömmlichen Beschäftigungsform empfunden haben?
 
Vielleicht eher freier als leichter. Man macht die Arbeit so gut wie möglich und wenn einen die Einrichtung nicht mehr braucht, dann kommt eben etwas Anderes. Wissen Sie, ich war früher sehr lange an meinen Arbeitsstellen. Heute, nach all den Erfahrungen, muss ich sagen: ich brauche keine Führungsposition mehr. Das ist nicht nah genug am Kind. Außerdem reizt es mich, regelmäßig einen neuen Input zu bekommen. Und ich möchte auch mit Kollegen zusammenarbeiten, die genauso denken.

Sie haben in Ihrer Laufbahn nicht nur verschiedene Bundesländer kennengelernt, sondern auch verschiedene Träger. Jetzt wechseln Sie in eine kirchliche Einrichtung. Wie empfinden Sie das im beruflichen Alltag?


Das ist eine sehr entspannte Atmosphäre. Mit den Kleinsten beten wir beispielsweise nicht. Wir transportieren Werte durch gemeinsame Feiern und Aktivitäten. Wir arbeiten dabei nach dem Jahreskreis. Gerade in kirchlichen Einrichtungen empfinde ich eine hohe Dankbarkeit gegenüber mir als Beschäftigter und auch gegenüber dem Extra Team Kita. Das ist auf allen Ebenen ein sehr kollegiales Verhältnis. 
 
Sie haben gesagt, Ihre aktuelle Kita sei im Moment eine Traumeinrichtung. Ist das schon der perfekte Arbeitsplatz für Sie als Erzieherin? 

Sie kommt dem Ideal auf jeden Fall nahe. Aber Sie sprechen da etwas Größeres an. Ich kenne viele Erzieher, die eine Vision haben. Eltern wollen ihre Kinder nicht einfach irgendwem überlassen. Sie wollen das Gefühl haben, dass ihre Kinder richtig gut betreut sind. Das geht nur mit Erziehern, die wirklich Lust auf ihre Arbeit haben. Dafür müssen sie gefragt und in ihrer eigenen Entwicklung gefördert werden. Die Eltern sind dann nicht Gegner, wie das manchmal leider der Fall ist, sondern Partner, die in ihren Wünschen ernst genommen werden müssen. Dazu gehört dann auch eine gewisse Dienstleistungsmentalität. Denn es geht eben auch um ganz praktische Fragen wie zum Beispiel Öffnungszeiten – übrigens auch an Samstagen und vielleicht sogar bis hin zur 24-Stunden-Kita. Ist es denn schlimm, wenn Eltern mal am Samstag ohne ihre Kinder einkaufen gehen möchten oder einmal einen Abend allein gestalten können?

Konzeptionell würde ich aus allen pädagogischen Konzepten, Modellen und Trägerschaften das Beste heraussuchen. Die Leute müssen zum Konzept passen und alle Regeln müssen altersgerecht sein. Ein Einjähriger kann zum Beispiel noch nicht selbst entscheiden, ob er essen möchte, oder nicht. Aber das wichtigste ist, die Eltern als Partner anzusehen und jedes Kind als Individuum. Ich kann nicht jedem Kind meine Konzeption überstülpen.

Glauben Sie, Ihre Haltung auf einen einzigen Satz verdichten zu können?

Ja, es ist ein Plädoyer für die freie Arbeit von Erzieherinnen und Erziehern – miteinander über konzeptionelle Grenzen hinweg und unter intensiver Einbeziehung der Eltern. 
 
Frau Lübke, herzlichen Dank für dieses Gespräch. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer neuen Aufgabe und die Unterstützung von Träger, Leitungskräften und Kollegen. 

 

Bild: Cornelia Lübke (r.) im Gespräch mit Sebastian Lazay

 

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Im Moment arbeite ich in einer Traumeinrichtung

In drei Jahren bin ich wieder da

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Ihr beruflicher Start verlief nicht wie im Drehbuch. Fünf Jahre zurück: im Juli 2013 befindet sich Sandy Pivtoriac hochschwanger in ihrer Ausbildung zur Sozialassistentin. Sie hält durch, schließt ihre Ausbildung erfolgreich ab, sichert sich parallel den Realschulabschluss und bringt danach ihre erste Tochter gesund auf die Welt. Zäh ist sie, verfolgt ihre Ziele. Was bisher geschah und wie sie ihre Zukunft gestalten wird, darüber sprach Sandy Pivtoriac mit der stellvertretenden Extra-Niederlassungsleiterin Julia Wengerek und Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay in Dresden.

Julia Wengerek: Frau Pivtoriac, Anfang 2018 sind sie auf unser Team in Dresden gestoßen. Wie kam es zu dem Kontakt?

Sandy Pivtoriac: Nach meiner Ausbildung als Sozialassistentin hatte ich schon 2015 versucht, die Erzieherausbildung anzuschließen. Aber wie schon bei meinem ersten Kind kam mir nochmals eine Schwangerschaft dazwischen. Nach dem Mutterschutz wollte ich dann zunächst wieder arbeiten und parallel so schnell wie möglich einen Ausbildungsplatz suchen. Ich wusste zunächst gar nicht warum das mit den Bewerbungen so zäh lief, auf jeden Fall war es mühsam. Ich bekam richtig skurrile Angebote. Zum Beispiel im Verkauf oder in einer Fleischerei. Das entsprach ja nun wirklich nicht meiner Ausbildung. Die nächsten Angebote kamen aus der Altenpflege. Das war ja schon eher die richtige Richtung, aber mir war das körperlich und seelisch zu anstrengend. In dieser Situation bin ich auf Extra gestoßen. Das Angebot war für mich wie eine Erlösung. Ich konnte endlich in meinem erlernten Beruf arbeiten.

Julia Wengerek: Sie hatten allerdings eine Bedingung im Gepäck, mit der wir klarkommen mussten.

Sandy Pivtoriac: Ja, ich vermute, dass ich davor deshalb Absagen bekommen hatte, weil ich ja nur zeitlich befristet, nämlich bis Juli 2018 eine Stelle suchte. Da haben alle immer gleich geblockt. Aber das hing eben mit meinem Ausbildungsplatz zusammen. Inzwischen hatte ich den nämlich gefunden und wusste damit, dass ich nur für wenige Monate würde arbeiten können.

Sebastian Lazay: Unsere Kollegen in Dresden sind darauf eingegangen und jetzt ist ihre Arbeit bei uns auch schon zu Ende. Wie haben Sie die fünf Monate, die es dann doch bei uns geworden sind, denn persönlich erlebt?

Sandy Pivtoriac: Für mich war das die perfekte Vorbereitung für die Erzieher-Ausbildung. Spätestens seit meinem zweiten Kind, und eigentlich schon seit ersten Babysitter-Erfahrungen als Teenager, war ich mir völlig sicher, den Abschluss als Erzieherin machen zu wollen. Deshalb wollte ich schon vor der Ausbildung möglichst viel Berufserfahrung in Kitas sammeln. Mit einem 30-Stunden-Vertrag konnte ich bei Extra genau so viel arbeiten, wie ich wollte. Und ich habe drei verschiedene Einrichtungen kennenlernen können, war viel in der Krippe und manchmal habe ich sogar in der Küche ausgeholfen. Mir hat alles viel Spaß gemacht. Natürlich sind die Einrichtungen unterschiedlich. Auf ein gutes Klima und ein kollegiales Verhältnis bin ich immer gestoßen. Der Zugang zu den Kollegen ging allerdings manchmal schneller und manchmal langsamer.

Sebastian Lazay: Der Zugang zu den Kindern geht meistens viel schneller. Was sind für sie die schönsten Ereignisse im Kita-Alltag?

Sandy Pivtoriac: Wenn ich in eine Einrichtung komme und die Kinder alle angerannt kommen – das ist so ein schöner Moment! Noch wichtiger ist es aber, die Entwicklungsschritte verfolgen zu können. Wenn der kleine Konrad, der Kleinste der Gruppe, plötzlich laufen kann, dann geht einem das Herz auf.

Julia Wengerek: Waren die Einsätze über uns Ihre ersten Kita-Erfahrungen?

Sandy Pivtoriac: Im Rahmen meiner Ausbildung als Sozialassistentin hatte ich schon einmal ein Praktikum in einer Kita gemacht. Bei Extra konnte ich darüber hinaus aber auch den Krippenbereich kennenlernen. Das hatte mir noch gefehlt. Den Alltag in Krippe und Kita habe ich daher jetzt drauf und weiß genau, was auf mich zukommt, wenn ich jetzt in die Ausbildung starte.

Julia Wengerek: Sie gehen da einen Weg, der gar nicht so selten ist. In Sachsen ist es möglich, nach einer zweijährigen Ausbildung als Sozialassistent oder nach einer anderen Ausbildung im Rahmen einer weiteren dreijährigen Ausbildung bis zum Abschluss als Erzieher zu gelangen. Die Ausbildung als Sozialassistent dient also der Vorbereitung und Orientierung, zum Beispiel ob man danach in der Altenpflege, der Kinder- und Jugendarbeit oder der Behindertenhilfe einsteigen möchte. Was erwartet Sie denn in den nächsten drei Jahren?

Sandy Pivtoriac: Ich mache die Ausbildung bei einem großen Sozialträger. Das wird für mich drei Jahre Schule bedeuten. Auch drei Praktika werde ich in dieser Zeit absolvieren, insgesamt über 11 Wochen.

Sebastian Lazay: Ein großes Thema im Sozialbereich ist ja im Moment, dass Schüler ihre Ausbildung oft selbst finanzieren müssen – im Gegensatz zum Beispiel zu Auszubildenden, die ja eine Ausbildungsvergütung erhalten. Wie ist das bei Ihnen geregelt?

Sandy Pivtoriac: Ich habe das Glück, dass ich gerade noch unter 25 Jahren alt bin. Deshalb werde ich Schüler-Bafög bekommen, das ich nicht zurückzahlen muss. Ohne diese Förderung würde ich das nicht schaffen. Schließlich muss ich auch noch rund 100 EUR im Monat Schulgeld bezahlen. Die Finanzierung war ein ganz schöner Antrags-Marathon. Aber ich habe das jetzt komplett durchgezogen.

Julia Wengerek: Wir drücken die Daumen für diesen nächsten Lebensabschnitt und wenn Sie möchten, bleiben wir natürlich in Kontakt.

Sandy Pivtoriac: Na klar. In drei Jahren bin ich wieder da. Allein die Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung war im Extra Team Kita ein toller Vorteil. Das war mir wegen meiner eigenen Kinder sehr wichtig und das wird auch weiterhin so sein.

 

In drei Jahren bin ich wieder da

Warum ist ein Mensch so wie er ist?

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In Berlin-Charlottenburg trafen sich Miriam Grube, Johanna Gehrke und Extra-Geschäftsführer Sebastian Lazay zu einem Gespräch über die psychologischen Fortbildungsveranstaltungen der Extra Akademie in Berlin. 

Dipl.-Psych. Miriam Grube studierte in Gießen Psychologie mit Nebenfach Medizin und absolvierte anschließend in Berlin eine Weiterbildung in Verhaltenstherapie für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Parallel dazu arbeitete sie in einer Kriseneinrichtung für Kinder- und Jugendliche sowie in der Psychiatrie und ist aktuell in einer Gemeinschaftspraxis (Institut für Psychotherapie und Familie) tätig. Dipl.-Psych. Johanna Gehrke sammelte nach dem Studium in Hamburg und Berlin Berufserfahrung in der Kinderpsychiatrie, absolvierte eine Weiterbildung in Tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie für Kinder und Erwachsene, verfügt über Erfahrung in der Arbeit mit traumatisierten Menschen und in der psychologischen Online-Beratung.

Ihnen beiden gemeinsam ist ein Schwerpunkt in der ambulanten Psychotherapie und natürlich ihr Engagement als Referentinnen an der Extra Akademie.

Sebastian Lazay: Frau Gehrke, Frau Grube, vielen Dank für die heutige Runde hier in unserem Berliner Büro. Die Fortbildungsveranstaltungen der Extra Akademie laufen immer ganz ruhig und kontinuierlich im Hintergrund. Heute wollen wir das einmal ändern und diese Arbeit in den Fokus nehmen. Mit welchen Themen beschäftigen Sie sich aktuell?

Johanna Gehrke: Wir haben in Berlin einige Fortbildungsthemen von unseren Kolleginnen Franziska Bomba und Franka Metzner aus Hamburg übernommen. Dabei war und ist das Thema „Resilienz“ von besonderer Bedeutung. Aktuell läuft es unter der Überschrift „Innere Schätze heben“. Wir haben nun geplant, es in zwei Teile aufzuteilen, also in Grundlagen der Resilienz und die Vorbereitung der praktischen Umsetzung. Insgesamt bieten wir ab diesem Jahr zehn verschiedene Veranstaltungen an. Neu dazu gekommen sind zum Beispiel Stressbewältigung durch Achtsamkeit und Selbstfürsorge in zwei getrennten Veranstaltungen.

Neben pädagogischen Themen rund um die Förderung von Kindern und Jugendlichen geht es also auch um die Kolleginnen und Kollegen selbst?

Miriam Grube: Das ist richtig. Bei allen Themen ist uns sehr wichtig, dass die Teilnehmenden die Inhalte selbst erfahren. Praktische Übungen sind wichtig, um das Gelernte auch wirklich umsetzen zu können. Entweder mit den Kindern, oder mit sich selbst. Tatsächlich geht es um noch mehr als die Auffrischung oder Vertiefung von Wissen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmenden sich gerne selbst in die Fortbildungen einbringen. Sie berichten von Erfahrungen, von positiven wie negativen Erlebnissen. Auch Stress gehört beispielsweise dazu und damit die Frage, wie der Einzelne damit umgehen kann. So kommt man dann immer wieder zu neuen Fragestellungen. Zum Beispiel zu Entspannungsmethoden. Hier geht es in ersten Übungen oft zunächst nur um das Wahrnehmen ohne zu bewerten. Darauf aufbauend kann man zum Beispiel mit der 30-Sekunden-Methode wirksame Wege für den Umgang mit Stress im Alltag aufzeigen.

Johanna Gehrke: Im letzten Jahr haben wir das kultursensible Arbeiten als neues Thema aufgenommen. Dabei haben wir einen Schwerpunkt auf den Umgang mit traumatisierenden Erfahrungen gelegt. Denken Sie dabei zum Beispiel an Angst vor Feuer, vor Geräuschen oder scheinbar unkritischen Gegenständen wie einer Klebepistole. Es gibt da viele Beispiele. Für uns erscheint es immer selbstverständlich, dass auch Andere die Welt so sehen wie wir. Doch das ist nicht so. Es hilft, wenn wir lernen, den Blick zu öffnen und diese Haltung in Frage zu stellen.

Das klingt nach einem sehr grundsätzlichen interkulturellen Austausch.

Miriam Grube: Ja – und der hat auch richtig Spaß gemacht. Wir haben nämlich auch einmal nach Vorurteilen gegenüber Deutschen gefragt. Teilnehmende mit ausländischem Hintergrund brachten ihre Sicht der Dinge ein und diskutierten das mit den Deutschen. Aus italienischer Sicht fiel zum Beispiel auf, wie stark das Leben in Deutschland nach festen Regeln abläuft. Der einzelne inhaltliche Aspekt war für uns aber gar nicht entscheidend, sondern vielmehr die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sichtweisen, Einstellungen oder Kulturen. Diesen Austausch in der Gruppe fördern wir in unseren Veranstaltungen sehr, auch im Rahmen von Kleingruppenarbeit. Wir können hier einen sehr offenen und praktischen Dialog beobachten, sogar bei sehr schwierigen Themen wie zum Beispiel Mobbing.

Johanna Gehrke: Wir profitieren hier in Berlin sehr vom Engagement der Teilnehmenden. Sie bringen ganz viel praktische Erfahrung mit, sowohl positiv als auch negativ. Für unsere Veranstaltungen ist das sehr bereichernd. Und der Erfolg gibt uns recht. Die Schulungen sind gut nachgefragt und sehr positiv bewertet.

Miriam Grube: Dabei haben wir es in Berlin mit einer sehr heterogenen Gruppe zu tun. Von Menschen mit abgeschlossenem pädagogischen Studium bis zum Quereinsteiger ohne Ausbildung ist jeder dabei. Das ist eine Berliner Besonderheit. Das Team harmoniert in seiner Gemeinschaft sehr gut. Das ist im positiven Sinne wirklich besonders bemerkenswert.

Tatsächlich beschäftigen wir in Berlin teilweise auch Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung. Das ist sonst in unserem Hause nicht möglich. Dabei achten wir jedoch auf eine gute Eignung für eine Arbeit in Kitas. Eine Vorerfahrung als Tagesmutter kann zum Beispiel eine solche Eignung nahelegen. Wie stehen Sie zu dieser Frage?

Johanna Gehrke: Es kommt auf die praktische Tätigkeit im Alltag an. Wenn ein gutes inhaltliches Konzept in einer Einrichtung gelebt wird, können auch Menschen ohne abgeschlossene pädagogische Ausbildung eine wertvolle Unterstützung sein. Neben einer guten Anleitung im Arbeitsalltag können letztlich auch unsere Seminare dazu beitragen, dass ein Austausch mit erfahren und gut ausgebildeten Pädagogen zustande kommt, und auch Beschäftigte ohne Ausbildung theoretisches und praktisches Wissen sammeln können.

Wenn Sie einige Jahre zurückblicken – was hat Sie eigentlich selbst bewogen, sich mit der Psychologie so intensiv zu beschäftigen, dass Sie sie zu Ihrem Beruf gemacht haben? Und ist dieser Beruf nicht manchmal auch schwer zu ertragen?

Miriam Grube: Ich wollte immer wissen ‚Warum ist ein Mensch so wie er ist?‘ Das hat mich schon in meiner Kindheit interessiert. Dieses Ziel habe ich verfolgt.

Johanna Gehrke: Unsere Arbeit ist weniger schwer, als viele Menschen das denken. Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten, mit ihnen in Kontakt zu stehen, ist ganz wunderbar. Kinder drücken sich oft im Spiel und über Symbole aus. Das macht die Arbeit noch lebendiger. Es ist ein sehr schöner, helfender Beruf, der mir eher Energie gibt, als nimmt. Es geht dabei aber schon immer wieder um die Frage der Balance zwischen „berührbar bleiben“ und „professionelle Distanz wahren“. Anders gesagt: es zählt das Mitgefühl, nicht das Mitleid.

Miriam Grube: Wir behandeln in der Psychologie das gesamte System. Gerade bei Kindern also auch die Verbindung zu den Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir können hier sehr viel bewegen. Auch, indem wir mit Erziehern zusammenarbeiten. In der Arbeit mit Kindern ist ganz viel möglich, der Weg ist noch nicht vorbestimmt.

Ist es so, dass Sie dank Ihrer Persönlichkeit, Ihrer Ausbildung und Ihrer Erfahrung zu jedem Menschen einen echten Kontakt herstellen können? Oder geraten auch Sie an Grenzen?

Miriam Grube: Dass etwas wirklich nicht passt, kommt tatsächlich nur sehr selten vor. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich als junge Therapeutin mit einem älteren Herrn zu tun hatte. Dabei fiel es ihm schwer, sich auf meine Ratschläge und Hilfestellungen einzulassen. Aber diese Schwierigkeiten, die sich in der therapeutischen Beziehung manchmal auftun, erleben die Patienten zumeist auch in Beziehungen außerhalb der Therapie und können dann auch eine Chance sein, wenn man im therapeutischen Kontext darüber redet. Auf jeden Fall ist es richtig, dass die Beziehung zwischen Patient und Therapeut der größte Wirkfaktor ist.

Johanna Gehrke: Teil unserer Ausbildung ist auch die Auseinandersetzung mit unserer eigenen Geschichte. Das hilft dabei, eigene Themen außen vor zu lassen und sich ganz auf das jeweilige Gegenüber einzustellen. Mir ist es bisher gelungen, in jedem Menschen einen Teil zu entdecken, den ich mag. Auch dann, wenn ich zum Beispiel mit vielen Ansichten nicht übereinstimme.

Vielen Dank für diese Einblicke in Ihre Aufgabenfelder. Ich wünsche uns allen weiterhin eine gute Zusammenarbeit!

Bild: Sebastian Lazay mit Johanna Gehrke (Mitte) und Miriam Grube (rechts)

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