Haferflockensuppe zum Frühstück

Extra Kita Blog Frau Helgason

Sylvie Helgason strahlt, gerade auch wenn sie von Ihrer Arbeit berichtet. Man spürt, dass sie mit dem Herzen dabei ist. Wir wollten mit ihr über ihre Arbeit in Berliner Kitas reden. Herausgekommen ist ein Gespräch über kulturelle Unterschiede.

Extra Update Kita: Frau Helgason, wenn man Ihren Namen hört, denkt man nicht sofort an Ihre Heimat Mauritius.

Sylvie Helgason: (lacht) Das stimmt. Mein Mann war Isländer. Ich bin mit 21 mit ihm nach Deutschland gekommen. Daher der Name.

In Mauritius ist die Amtssprache englisch, für Sie also eine Selbstverständlichkeit. Ist das eine wichtige Bereicherung bei Ihrer Arbeit in Kitas?

Grundsätzlich schon. Im Kollegenkreis musste ich aber auch einmal die Erfahrung machen, dass es zunächst nicht gut ankam, manchmal englisch zu sprechen. Da ist schnell ein Konflikt entstanden. Nach einer Studienreise aber, während der nur englisch gesprochen wurde, waren meine Sprachkenntnisse plötzlich wertgeschätzt. Für mich ist die Sprache Teil meiner Heimat Mauritius, die mich geprägt hat. In Mauritius spielen viele Kulturen eine Rolle. Durch Freunde mit britischem Hintergrund hatte ich schon in meiner Kindheit und Jugend so viel Kontakt mit dieser Kultur, dass ich noch heute das Frühstück mit Haferflockensuppe verbinde.

Es drängt sich gerade zu auf, dass wir uns noch etwas über kulturelle Unterschiede unterhalten. Sie sind als Mitglied unseres Berliner Teams unterwegs. Wie erleben Sie den Kita-Alltag in dieser Hinsicht?

Kulturelle Herausforderungen gibt es nicht nur in Wedding mit einem höheren Anteil muslimischer Familien. Auch in einem deutsch-französischen Umfeld in Zehlendorf gibt es kulturelle Probleme. Ist nun ein Klaps jetzt in Ordnung oder nicht akzeptabel? Das sehen nicht alle gleich. Doch wir sind natürlich in Deutschland und haben unsere eigenen Wertvorstellungen, die mit denen anderer Kulturen manchmal konkurrieren.

Wie gehen Sie ganz praktisch mit unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Anforderungen um?

Beim Frühstück zum Beispiel kann man weiße Teller für Wurst aus Schweinefleisch verwenden und silberne Teller für Wurst ohne Schweinefleisch. So lassen sich erst einmal Verwechslungen verhindern. Wenn dann ein Kind die Wurst, die es nicht essen möchte oder darf mit „Iiii“ kommentiert, erkläre ich ihm, dass das Essen ist und wir das aus religiöser Sicht vielleicht unterschiedlich betrachten, aber dass wir es doch trotzdem wertschätzen.

Sind diese kulturellen Unterschiede eigentlich eher eine Belastung oder eine Chance im Kita-Alltag?

Ich sehe das als große Chance. Die Welt ist inzwischen ganz bunt geworden. Wir versuchen, die Kinder zu ermuntern, diese Vielfalt zu entdecken. Noch einmal ein Beispiel aus dem gemeinsamen Essen: die Köchin in einer Einrichtung hatte einmal Rucola auf der Pizza vergessen und wollte ihren Fehler korrigieren. Eine Kollegin wehrte dann ab, weil sie der Meinung war, man sollte den lieber weglassen, die Kinder würden ihn nicht mögen. Ich habe den Kindern dann erzählt, wie gut Rucola schmeckt und wie gesund er ist. Da erwachte die Neugier der Kinder und plötzlich wollten alle probieren. Diese kleine Geschichte ist einfach ein Beispiel dafür, wie wir zur Akzeptanz kultureller Vielfalt erziehen können, statt Vorurteile zu stärken.

Welche Rolle der Islam in Deutschland spielen soll oder darf wird vielfach intensiv diskutiert. Erleben Sie hier Konflikte in den Einrichtungen?

Für mich ist das eher eine sehr positive Erfahrung. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: in einer Einrichtung, für die ich arbeite, nehmen wir jeden Donnerstag auch die muslimischen Kinder in den christlichen Gottesdienst in der Kirche mit. Das ist überhaupt kein Problem. Im Gegenteil, die muslimischen Kinder sind ganz aufmerksam dabei und auch die Eltern machen alle mit. Das betrifft nicht nur den Gottesdienst, auch beim Laternenfest sind die muslimischen Familien genauso mit dabei wie die christlichen. Die muslimischen Eltern gehen zwar mit ihren Kindern auch in die Moschee, aber sie sind ganz offen, sich auch mit der christlichen Kultur auseinanderzusetzen und sich zu integrieren.

Nachdem Sie selbst verschiedene Länder und Kulturen kennengelernt haben, werden Sie in Deutschland bleiben?

Als ich nach Deutschland kam, bekam ich die Chance als Tagesmutter zu arbeiten, was ich sehr gerne tat. Das war mein beruflicher Einstieg. Damals hatte ich einen roten Stempel im Pass, auf dem stand „Arbeitserlaubnis nur als Tagesmutter“. Es war ein langer Weg für mich, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, deshalb helfe ich heute auch anderen Menschen, die sich als Ausländer in Deutschland schwertun. Ich selbst bin sehr gerne in Deutschland. Mein Ziel ist es aber, später wieder nach Mauritius zurückzukehren.

Bild: Frau Sylvie Helgason

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Haferflockensuppe zum Frühstück

„Meine Arbeit hat jetzt eine neue Qualität“

Extra Team Kita - Isa Timmermann

Sie ist Erzieherin und gehört zu den erfahrensten Kolleginnen unseres Teams am Standort Hamburg. Mehr als 30 Jahre war Isa Timmermann als Mitarbeiterin und Einrichtungsleitung in Kitas tätig. Heute genießt sie im Extra Team Kita ihre neue berufliche Selbstbestimmung.

„Meine Arbeit hat jetzt eine neue Qualität“, erklärt sie im Gespräch mit Tessa Dittmer, denn viel stärker als in ihren früheren Funktionen kann sie bei Extra selbst entscheiden, wo, wann und wieviel sie arbeiten möchte. Auch die Abwechslung, das Herumkommen in verschiedenen Einrichtungen, empfindet sie als Bereicherung. Doch ganz gleich, in welcher Einrichtung man Isa Timmermann gerade trifft: am wichtigsten ist und bleibt es ihr, sich für eine freie Entwicklung der Kinder einsetzen zu können.

Tessa Dittmer: Frau Timmermann, als Sie Anfang der 1980er Jahre als frisch ausgebildete Erzieherin ins Berufsleben starten wollten, sah der Arbeitsmarkt noch anders aus als heute. Wie ist Ihr Einstieg damals geglückt?

Isa Timmermann: Einen Job zu finden, war damals wirklich nicht selbstverständlich. Eigentlich habe ich als Tagesmutter angefangen. Das war alles etwas improvisiert. Einige Eltern schlossen sich zusammen und mieteten eine Wohnung an, um dort ihre Kinder gemeinsam betreuen zu lassen. Diese Betreuung habe ich dann übernommen. Daraus wurde ganz schnell eine richtige kleine Kita. Ein wohlhabender Vater unterstützte uns, sowohl finanziell als auch bei der Verwaltung. So hatten wir keine Geldsorgen und mussten uns kaum um Bürokratie kümmern.

Wir konnten Ausflüge mit den Kindern machen, ja sogar reisen. Das war paradiesisch, aber eben nicht auf Dauer angelegt. Deshalb wechselte ich danach zu einer Krippe, die als Elterninitiative geführt wurde. Und da gehörte dann zum Beispiel auch die Buchhaltung dazu, die wir nach Feierabend in den Gruppenräumen machten.

Ihr nächster Schritt brachte dann noch mehr Verantwortung mit sich.

Ich wollte damals schon länger gerne mal aus der Krippe raus und bekam die Chance, zusammen mit einer griechischen Kollegin eine Kita aufzubauen und schließlich über 15 Jahr lang gemeinsam zu leiten. Das war eine interessante und erfüllende Zeit. Unsere Einrichtung stand unter der Trägerschaft einer Erzieherinitiative. Wir teilten uns die Arbeit gut auf. Inhaltlich lag der Schwerpunkt im Elementarbereich, Nachmittags betreuten wir zeitweise auch Schulkinder.

Allerdings änderte sich vieles über die Jahre. So waren die Einführung der Kita-Card vor rund 12 Jahren und von Qualitätsstandards entscheidende Punkte. Mir schien das damals so, als ob das Drumherum plötzlich viel zu viel Raum einnahm. Ich hatte den Eindruck, dass die Kinder nicht mehr an erster Stelle stehen, obwohl natürlich genau das behauptet wurde. Das widersprach meinem Verständnis von der Arbeit. Ich bin aus diesen Gründen dann erst einmal ausgestiegen und überlegte zwischendrin auch einmal, in der Betreuung von Senioren tätig zu werden. Aber dann wurde mir das Extra Team Kita empfohlen.

Sie sind ja nun auch schon eine ganze Weile bei uns. Wie unterscheidet sich Ihre heutige berufliche Tätigkeit von Ihrem früheren Arbeitsalltag?

Mir gefällt es heute, nicht mehr die Verantwortung für eine ganze Kita tragen zu müssen. Außerdem bin ich weniger verpflichtet, Berichte zu schreiben oder Fördermittel zu beantragen. Diese ganze Arbeit mit Formularen und Stempeln muss mich nicht mehr sorgen. So kann ich mich auf meine eigentliche Aufgabe, auf die Förderung der Kinder, konzentrieren. Dass ich daneben noch viel herumkomme und damit sehr viele Einrichtungen und verschiedene Denkweisen kennenlerne, liegt mir. Ich fühle mich wohl. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich mit etwas mehr Abstand auf die jeweilige Situation in der Kita schaue. Auf jeden Fall habe ich nicht mehr dieses belastende Gefühl wie früher, dass ich sehr viel der Verantwortung übernehmen muss, die eigentlich bei den Eltern liegt. Für mich persönlich heißt das, mehr Lebenszeit zu haben.

Ist es nicht auch schwierig, zu Kindern einen Kontakt aufzubauen, wenn man regelmäßig in anderen Einrichtungen ist?

Zunächst einmal bin ich ja nicht immer ganz neu. Ich bin schon immer wieder in den gleichen Einrichtungen. Wenn ich aber wirklich in eine für mich ganz neue Einrichtung komme, bin ich eher zurückhaltend. Die Kinder kommen dann immer schnell selbst auf mich zu. Da gelingt es rasch, eine Verbindung zu ihnen aufzubauen.

Diese Zurückhaltung ist aber keine Passivität?

Nein, im Gegenteil. Sich zurückzunehmen ist die Grundlage dafür, die Bedürfnisse der Kinder erkennen zu können. Wissen Sie, sinnliche Erfahrungen sind eben wichtig. Wir sind immer so verkopft. Man sollte mit den Kindern gemeinsam den Lebensalltag gestalten. Als Erzieher dürfen wir nicht in Schubladen denken, sondern schauen, was das einzelne Kind braucht.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Kürzlich hat sich ein Anderthalbjähriger in einer Einrichtung einen Weidenkorb geschnappt und sich hineingesetzt. Er war richtig stolz darauf. Eine Erzieherin nahm ihm den Korb dann aber weg und erklärte ihm, dass andere Dinge in den Korb gehören. Das war keine gute Reaktion. Oder noch ein Beispiel: ‚Drück nicht den Lichtschalter‘ ist ein falsches Verbot. Kinder müssen auch das ausprobieren können, selbst wenn sie hundertmal hintereinander das Licht an und ausknipsen.

Solche Situationen gibt es viele in der Kita. Wie gelingt es auch in turbulenten Phasen angemessen zu reagieren?

Mir fällt es inzwischen leicht, diese Situationen zu erkennen. Und ich glaube, dass ich selbst heute mehr Achtung vor den Kindern habe als früher. Weniger erfahrenen Kolleginnen würde ich empfehlen, zu versuchen, die Kinder in ihren Freiräumen zu unterstützen und ihnen die Möglichkeiten zu schaffen, die sie brauchen. Kinder sind heute oft so traurig. Ich glaube, das liegt daran, dass sie zu oft wie kleine Erwachsene behandelt werden. Das heißt aber nicht, dass es keine Grenzen gibt.

Gibt es heute ausreichend Berufserfahrung in den Kitas?

Die Arbeitsbedingungen in Kitas sind ja oft nicht optimal. Immer wieder fehlt es an recht einfachen Dingen, wie zum Beispiel einem Pausenraum. Deshalb herrscht regelmäßig Unzufriedenheit unter den Erziehern, die zu Konflikten führt. Manchmal dauert es Jahre, bis ein Team zusammenfindet. Supervision kann da übrigens eine Hilfe sein.

Es geht also um mehr als die Berufserfahrung. Wenn die Beschäftigten um ihre Arbeitsbedingungen ringen, dann geht das auf Kosten der Kinder.

Aber natürlich sind Erfahrung und Ausbildung wichtig. Ich habe dieses Jahr im Sommer die Situation miterlebt, als eine Praktikantin im Sandkasten ein Kind spielerisch ganz leicht in den Sand einbuddelte. Natürlich war das nicht böse gemeint, aber das Kind fing plötzlich bitterlich an zu weinen. Ich habe dann schnell darauf hingewirkt, die Situation zu beenden. Das Beispiel hat mir wieder einmal bewußt gemacht, welche Situationen entstehen können, wenn zu wenige erfahrene Beschäftigte in einer Einrichtung zur Verfügung stehen.

Was wünschen Sie sich für den Kita-Alltag?

Wir brauchen in Kitas genügend Personal, aber auch das Selbstverständnis der Erzieher, dass wir die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen.

Dazu gehört ein Umfeld, das Kreativität fördert. Steine, Bilder, Decken, Tücher, Sand und
Wasser statt perfektem Spielzeug! Spielsachen sollten möglichst offen verfügbar sein. Die Perfektion im Aufräumen ist aus pädagogischer Sicht nicht optimal. Die Kinder haben ein eigenes Verständnis von Ordnung.

Vielen Dank für das Gespräch Frau Timmermann.

Bild: Tessa Dittmer (l.) im Gespräch mit Isa Timmermann

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